Bauer wirft sich vor hsv-kracher in die bresche – sein job brennt

Daniel Bauer spürt den Atem der Axt, redet aber, als wäre nichts. „Kein Endspiel für Daniel Bauer“, sagt er, doch genau das ist es. Der VfL Wolfsburg empfängt den Hamburger SV, 17. gegen 16., und ein Sieg ist keine Option mehr – er ist ein Befehl.

Die nebengeräusche fressen energie

Seit dem 0:4 in Stuttgart schwirrt der Name Dieter Hecking durch die Wolfsburger Lüfte, daneben Friedhelm Funkel. Beide haben schon mal diesen Verein gerettet, beide warten am Telefon. Bauer weiß das, seine Familie auch. „Es ist brutal wichtig, die Nebengeräusche auszublenden“, sagt er, und man hört, wie sehr er sich selbst damit beschäftigt.

Die Zahlen sind gnadenlos: ein Sieg aus den letzten zehn Spielen, 17. Platz, 18 Gegentore in den letzten fünf Partien. Die Mannschaft wirkt wie angeschossen, die Fans wie gelähmt. Am Samstag kommen bis zu 10.000 Hamburger in den Autostadt-Stadion-Club – eine Invasion mitten in Niedersachsen. „Lasst uns nicht hier ein Auswärtsgelände sein“, fleht Bauer. Seine Stimme kippt fast, dann fängt er sich.

Intern haben die Bosse schon die rote Linie gezogen. Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen und Sportdirektor Pirmin Schwegler gaben sich in der Woche offen und kritisch, aber eben noch nicht final. „Konstruktive Gespräche“, nennt Bauer das. Was heißt: Sie haben ihm den Rücken gestärkt, solange er sich selbst stärkt.

Champagner gibt’s nur nach punkten

Champagner gibt’s nur nach punkten

Statt Tiki-Taka fordert Bauer „Laufen, Kratzen, Beißen“. Die Phrase klingt nach Not- statt Nach-klug. Seine Spieler sollen die Zweikämpfe suchen, nicht den Ballbesitz. Der HSV hat in Christian Heidel und Steffen Baumgart ein Duo, das genau diese Sprache liebt. Es wird eine Schlacht auf engstem Raum, kein Schönspiel.

Bauer übernahm im November von Paul S. Simonis, damals als Feuerwehrmann gedacht. Nun steht er selbst im Flammenmeer. Die Kurve wird ihn feuern, solange die Mannschaft mitzieht. Verliert der VfL, dürfte die VereinsgmbH am Sonntagmorgen die Kündigung per Fax versenden. Dann wäre Daniel Bauer nicht mehr der Trainer, sondern nur noch der Mann, der es war.

15.30 Uhr, Sky, Wolfsburg. Ein Sechspunkte-Spiel im wahrsten Sinn. Die Fans singen „Wir stehen auf“ – momentan allerdings am Abgrund. Bauer stemmt sich dagegen, bis die Axt fällt oder der Ball ins Netz. Eines ist klar: Nach dem Schlusspfiff wird entweder der Trainer oder der Abstieg Geschichte sein. Beide Szenarien sind keine Nebengeräusche mehr, sondern purer Donner.