Bastoni wird gefeiert – aber ein preis spaltet ganz mailand

San Siro brüllt „Bastoni orgoglio nostro“, während draußen die Stadt diskutiert: Darf ein Verteidiger, der im Derby simulierte, mit der „Rosa Camuna“ geehrt werden? Die Antwort fällt nicht einfacher, seit die Inter-Curva ihren verletzten Held mit einem 20-Meter-Banner in den Himmel hob.

Die tribüne gegen den rest italiens

14 Minuten waren gespielt, als aus dem zweiten Rang drei Worte ragten. Kein Sponsorenlogo, keine Hashtags – nur Bastoni. Die Tribüne sang, die Spieler winkten, und auf der Bank saß der Adressat mit Schienbeinprellung, aber sichtlich gerührt. Für Kurven-Liebe ist er wieder der Unbestrittene. Doch außerhalb der Giuseppe-Meazza-Stadtion wird dieselbe Leistung zum Shitstorm.

Der Grund: die Bewerbung um den lombardischen Kulturpreis „Rosa Camuna“, der Ehrlichkeit und gesellschaftliches Engagement belohnt. Nach dem Derby-Theater, in dem Kalulu wegen Bastonis Schwalbe mit Rot vom Platz musste, klingt das für viele wie Hohn. Kommentarspalten explodieren, Radio-Call-ins toben: Ein Betrüger als Vorbild? Die Jury hält dagegen und nennt genau jene Szene einen „Lehrstück für Fehlerkultur“. Man müsse lernen, dass man nach einer Schwalbe Verantwortung übernehmen und wachsen könne. Ironie der Woche: Wer am meisten unter der Entscheidung leidet, ist der Gescholtene selbst.

Denn Bastoni, 24, Nationalspieler, in seiner Heimatstadt Casalmaggiore längst Ehrenbürger, steht erneut zwischen zwei Realitäten. Im Stadion ist er der lokale Sohn, der mit 19 in die Nerazzurri startete und mit dem Scudetto die Krone setzte. Draußen bleibt er der Schauspieler vom 14. Februar. Die Spaltung ist messbar: Eine Umfrage der Gazzetta zeigt 52 % Ablehnung für die Preisvergabe, bei Inter-Mitgliedern sind es nur 11 %.

Der preis, der mehr kostet als er wert ist

Der preis, der mehr kostet als er wert ist

Die „Rosa Camuna“ ist mit 25 000 Euro dotiert, doch der Imageschaden könnte teurer sein. Sponsoren, die sich über ein einwandfreies Standing freuen, schauen genau hin. Inter selbst hält bedeckt: „Wir respektieren die Jury und unseren Spieler“, sagt Sportdirektor Ausilio knapp. Trainer Inzaghi weigerte sich, die Frage nach der Ehrung im Presseraum zu beantworten – und schickt stattdessen ein Lächeln in Richtung Tribüne, wo sein Abwehrchef bald wieder stehen wird.

Für Bastoni wird die Verletzung zur Zwangspause – und vielleicht zur Rettung. Wenn er Ende April die Jury-Begründung live in Brescia entgegennimmt, steht Inter vor der Meister-Entscheidung. Dann sind alle Kameras wieder auf ihn gerichtet. Entweder feiert er Doppelt – oder er trägt den Preis wie eine zweite Schiene am Schienbein: sichtbar, schmerzhaft, immer präsent.

Die Kurve wird ihn wieder beschützen. Der Rest Italiens wartet auf die nächste Szene. Bis dahin gilt: Ein Banner reicht, um einen Spieler zu erheben – aber noch nicht, um eine Debatte zu beenden.