Bastoni schluckt schmerztabletten: samstag droht das aus gegen atalanta

Alessandro Bastoni schleppt sich durch Mailand. Die Schiene an seinem linken Schienbein klopft bei jedem Schritt, doch der Italiener ist heute trotzdem in Appiano Gentile erschienen – freier Tag hin oder her. Er will spielen. Gegen niemand Geringeres als Atalanta Bergamo, den Klub, der ihn mit sieben Jahren großgezogen und mit 17 debütieren ließ. Das Rückspiel im eigenen Stadion ist für Samstag, 15 Uhr, angesetzt.

Der Tumult begann vor vier Wochen. Im Coppa-Derby gegen Juventus ließ Bastoni den Gegner Kalulu vom Platz schicken – mit einem Schwalbenmoment, das die Kurve nie vergessen wird. Seitdem pfeifen ihn nicht nur die Rivalen, sondern selbst Teile der eigenen Anhängerschaft aus. Die Ohrfeige der Tribüne begleitet ihn bis nach Florenz, wo Inter am 22. März gastiert. Doch vorher steht eben jene Partie gegen Atalanta an, und Bastoni will unbedingt dabei sein.

Chivu will keine roulette spielen

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Der Sturz gegen Rabiot am vergangenen Montag hinterließ eine Prellung der Sonderklasse. Ein Hämatom so dick, dass Bastoni bis Mittwoch auf Krücken angewiesen war. Gestern verzichtete er erstmals wieder auf die Stützen, die Schmerzen ließen leicht nach. Heute folgt die entscheidende Untersuchung – Ultraschall, Belastungstest, Blick in die Knochen. Cristian Chivu, der Interimscoach, hat schon klargestellt: „Er spielt nur, wenn das Risiko null ist.“ Carlos Augusto wartet bereits in den Startlöchern.

Die Rechnung ist einfach. Inter führt die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung auf den AC Mailand, aber die nächsten Wochen werden richtungsweisend: Atalanta, Napoli, Derby gegen die Rossoneri. Verliert Bastoni den Anschluss, droht der Einsatz zu kippen. Die medizinische Abteilung hat intern die Richtwerte 48 Stunden vor Spieltag und 24 Stunden vor Aufwärmtraining festgelegt – wer bis dahin keine Vollbelastung verkraftet, fliegt raus.

Die Fans spalten sich. Auf Twitter kursiert das Hashtag #BastoniOut, weil viele seine Schwalbe als Verrat an der Fußball-Ehre werten. Gleichzeitig erinnert die Curva Nord daran, dass der Verteidiger 26 Liga-Spiele in Folge durchgehend bestritten hat – eine Eisenserie, die in dieser Saison nur von Dimarco und Lautaro übertroffen wurde. Die Frage lautet also: Ist die Knochenhaut schon so weit verheilt, dass er das nächste Feuer aushält?

Die Antwort fällt heute. Sollte der Hämatom sich weiter zurückziehen, schließen sich Bastoni und Augusto im Training um 16 Uhr an. Sollte das Schienbein noch anschwellen, rückt Augusto in die Startelf – und Bastoni muss zuschauen, wie sein ehemaliger Jugendklub die Meisterschaft erschüttern könnte. Entscheidend ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Signal: Wer die Spreu vom Weizen trennt, ist in dieser Phase der Saison kein Spieler, sondern eine Frage von Willens- und Knochenkraft.