Baroncini rast dem tod davon – und sprintet in asturien aufs podest
26 Sekunden fehlten Filippo Baroncini auf der dritten Etappe des Vuelta a Asturias zum Sieg, doch der zweite Platz schmeckt nach dem, was der 23-Jährige hinter sich hat, wie ein Lebenszeichen. Der Romagnole der UAE-Equipe hatte sich beim letztjährigen Polen-Rundfahrt-Rennen fast das Genick gebrochen, lag tagelang im Koma und durfte sich überhaupt nur deshalb ein zweites Mal die Welt anziehen, weil ein Notarzt auf der Strecke genau die richtige Entscheidung traf.
Von der intensivstation zurück ins profi-peloton
Sein Comeback gab Baroncini Ende März, seitdem fährt er mit einer Halsschutz-Prothese, die man unter dem Trikot kaum erkennt. Die Bronchialwirbel sind stabil, das Selbstvertrauen keineswegs. „Ich weiß, dass ich noch nicht der Alte bin“, sagte er Mikrofon in Asturien, „aber das Podest beweist, dass die Beine wieder mit dem Kopf reden.“
Die 168 Kilometer von Pola de Lena nach Oviedo endeten auf einer Steigung von neun Prozent. Edgar Cadena setzte sich 400 Meter vor dem Ziel ab, Baroncini folgte als Einziger und verhinderte ein spanisches Doppel. „Er hat die Entscheidung im Stehen getroffen, nicht im Sattel“, lobte Direktor sportif Andrei Tchmil am Teamwagen. „Das ist ein mentales Statement.“

Magagnotti zeigt in der bretagne die zähne
Während Baroncini in Spanien die Runde der Mediziner dominiert, sorgte ein 17-jähriger Südtiroler in Frankreich für den nächsten Ausrufezeichen. Alessio Magagnotti, Jahrgang 2007, gewann die erste Etappe des zweitägigen Tour de Bretagne – und das gleich mit Attitude: 98 Kilometer im Ausreißer, 28 Sekunden Vorsprung auf dem Pass von Roc’h Trédudon, dann noch die Sprintgruppe aus dem Rad geklingelt. Der Rookie der Red Bull-Basislager-Mannschaft trägt nun das Gelb.
Sein Trainer Daniele Pontoni schickte ihn extra ohne Funk ins Rennen. „Wenn du dich verlaufst, lernst du Kartenlesen“, lautete die Devise. Magagnotti landete punktgenau auf dem Siegerpodest – und machte damit seinem größten Fan, dem ehemaligen Giro-Sieger Vincenzo Nibali, einen Gefallen. Der hatte ihn vor zwei Jahren noch auf dem Hotelparkplöcker in Trient mit einem Satz Carbon-Laufräder beschenkt.
Italien blickt also nicht nur auf den Sturz von Camilo Muñoz, der am Schweizer Tour de Jura sein Leben ließ, sondern auch auf zwei Geschichten, die beweisen: Das Rad dreht sich weiter – manchmal brutal, manchmal versöhnlich. Baroncini hat den zweiten Platz in Asturien auf seinem Garmin als „Alive“ markiert. Magagnotti schickte seiner Mutter ein Foto vom Podest und schrieb daneben: „Träume haben kein Mindestalter.“
