Bananenbrot statt boca: fünf argentinierinnen erobern bremens hockey-welt

Der Bremer Hockey-Club spielt sich mit Mate-Tee im Blut und Bananenbrot im Magen in die Herzen der Liga. Fünf Profis aus Argentinien haben den vermeintlichen Provinzklub zur Adresse für Spitzenhockey gemacht – und dabei ein zweites Zuhause gefunden, das 12.000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt liegt.

Die neue südamerika-connection

Agostina Lovagnini ist zum dritten Mal da, Delfina Granatto zur zweiten. Für Manuela Ghigliotti, Delfina Gerula und die anderen ist Bremen Neuland. Alle sind sie zwischen 23 und 29, alle haben sie schon in den USA, Spanien oder Italien gearbeitet. Keine von ihnen verdient hier ein Vermögen – Unterkunft, Essen, ein bisschen Taschengeld. Trotzdem kommen sie zurück. „Wir wollen zeigen, wie man Hockey lebt“, sagt Granatto. Das klingt nach Marketing-Sprech, ist aber Programm. Die Argentinierinnen spielen schneller, aggressiver, körperlicher. Nachwuchsspielerin Mia Hasbach formuliert es so: „Da guckt man sich gern was ab.“

Trainer Florian Keller braucht diese Impulse. 100.000 Euro kostet eine Bundesliga-Saison, bei kleinen Standorten wie Bremen geht das nur mit Sponsoren, Ehrenamtlichen – und Leihgaben aus Südamerika. „Ohne die Mädels könnten wir den Anschluss verlieren“, sagt er offen. Die Rechnung geht auf: Letzte Saison retteten die Südamerikanerinnen den Klassenverbleib – und das Bananenbrot von Oma Anne.

Familie auf zeit und die sehnsucht danach

Familie auf zeit und die sehnsucht danach

In Oberneuland wohnt Anne Jentschke, Großmutter von BHC-Kapitänin Lena Frerichs. Sie backt, sie kümmert, sie zuhört. „Ich bin die Oma“, sagt sie und lacht. Die Argentinierinnen nennen sie tatsächlich so. Jede Woche gibt es ihr Bananenbrot – inzwischen steht das sogar scherzhaft im Vertrag von Agostina Lovagnini. Die Spielerinnen teilen Mate-Tee, erzählen von Zuhause, lernen Deutsch. Manuela Ghigliotti sagt: „In Argentinien ist Familienkultur alles – und die haben wir hier wiedergefunden.“

Doch hinter den Instagram-Momenten lauert der Preis. Delfina Granatto gibt ihn offen zu: „Ich vermisse mein Zuhause. Das ist die Wahrheit.“ Seit zehn Jahren ist sie unterwegs, drei Monate hier, drei Monate da. Sie spielt nicht für die Nationalmannschaft, sondern für das Leben als Globetrotter. „Ich will die Welt sehen. Durch Hockey eben.“ Diese Ehrlichkeit macht die Geschichte greifbar – und menschlich.

Am Ende bleibt ein Verein, der mehr ist als ein Klub. Er ist eine Brücke zwischen Kontinenten, zwischen Sehnsucht und Zuhause, zwischen Sport und Lebensgefühl. Die Liga ist gehalten, das Bananenbrot weiterhin im Angebot. Und irgendwo in Oberneuland steht ein Koffer mit Mate-Tee, bereit für die nächste Saison.