Balsamo jagt sich selbst: zwei siege in zwei tagen, der rosa kittel klebt

Caorle – Elisa Balsamo schlägt wieder zu. 24 Stunden nach ihrer Ehrenrunde in Cesenatico setzte die 27-jährige Sprinterin der Lidl-Trek-Equipe am Montag erneut zum Endspurt an und ließ Lara Gillespie (UAE Team ADQ) und Chiara Consonni (Canyon//SRAM) stehen. Das Rennen über 156 Kilometer von Roncade endete in einer Seitenwindposse, die nur drei Sekunden Spreu vom Korn trennte – aber reichten, um Balsamos Rosa zu verteidigen.

„Dieser sieg gehört meinem onkel“

Am Ziel war die Emotion kaum zu bändigen. „Ich habe den Sprint perfekt abrufen können, aber der Kopf war ganz woanders“, flüsterte Balsamo ins Mikro von RAI Sport. Der Onkel, der sie früher mit dem Rad zur Schule chauffierte, liegt seit Wochen im Krankenhaus. „Er soll wissen: Jede Wattzahl, jedes Pedalgewinde, das war für ihn.“ Ein Satz, der selbst hartgesottene Mechaniker im Tech-Zone-Zelt verstummen lässt.

Das Rennen selbst war eine einzige 160-Kilometer-Sprintsabotage. Gleich zwei Sturzwellen bei km 52 und km 118 zerrissen das Feld, doch weder Elisa Longo Borghini noch Demi Vollering verloren Kontakt. Die Top-Favoritinnen glichen nach jedem Seitenwindriss die Lücke aus, als wäre es Routine – ein Warnschuss für die Berge, die ab Bibione warten.

Die maschine läuft heiß – und morgen wird’s länger

Die maschine läuft heiß – und morgen wird’s länger

Mit 312 Kilometern in zwei Tagen steht der Giro Women bereits jetzt auf Rekordkurs. Die dritte Etappe von Bibione nach Buja serviert 156 weitere Kilometer und 2.300 Höhenmeter. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald Ersatzbeine“, scherzte Sportlich Lidl-Trek-Direktor Ina-Yoko Teutenberg, während sie Balsamos Aero-Schuhe polierte. Die Wahrheit: Die Italienerin trägt zurzeit nicht nur Rosa, sondern auch die Verantwortung, jeden Tag erneut zu beweisen, dass ihr Sprint nicht zufällig war.

Der Countdown läuft. Am Sonntag rollt das Peloton in Saluzzo ein. Wer bis dahin noch im Rosa strahlt, darf sich ganz sicher sein: Die Geschichte wird nicht von Zufällen geschrieben, sondern von Beinen, die sich erinnern.