Ballack packt aus: löw und lahm zerstörten meine wm-träume
Michael Ballack redet nach 16 Jahren Klartext. Die Verletzung vor der WM 2010 war nur die halbe Wahrheit. Der ehemalige DFB-Kapitän erhebt schwere Vorwürfe gegen Joachim Löw und Philipp Lahm – und enthüllt, wie seine Nationalmannschaftskarriere wirklich zu Ende ging.
Die boatattacke war erst der anfang
Am 15. Mai 2010 riss Kevin-Prince Boateng im FA-Cup-Finale Ballacks Sprunggelenk kaputt. Die WM in Südafrika war gelaufen, das Karriereende nahm seinen Lauf. Doch was danach geschah, das hat Ballack nie verdaut.
„Ich habe gelitten, klar. Aber das war nicht das Schlimmste“, sagt der heute 49-Jährige im Sky-Interview. „Mich hat verletzt, wie man mit mir umgegangen ist. Werte, die ich nicht vertrete.“

Löws schweigen und lahms machtwort
Statt Trost gab es Funkstille. Löw meldete sich nicht, erklärte Ballack 13 Monate später per Ferndiagnose ab. Lahm, der Interims-Kapitän, machte den Job dauerhaft – und kündigte öffentlich an: „Ich gebe die Binde nicht mehr her.“
Ballack spürt noch heute den kalten Wind von damals: „Kein Alleingang von Philipp. Das System DFB hat mitgespielt. Jogi hat sich bedeckt gehalten, eine Hintertür offen gelassen. Und sich vor dem Gespräch gedrückt.“
98 Länderspiele, zwei WM-Titelkämpfe, ein EM-Finale – ausgerechnet die fehlende Ehrlichkeit sollte seine Bilanz beschädigen.
Verpasste chance statt ehrenrunde
Ballack wollte zurück. Trainierte, kämpfte, wartete auf ein Lebenszeichen. „Man hat mir gar nicht die Chance gegeben, wieder hinzukommen“, wirft er dem DFB vor. „Zehn Jahre Leistung, und dann wird man weggeschoben wie ein verrückter Ball.“
Für ihn steht fest: Die Kommunikationskultur im Verband war damals „nicht zeitgemäß“. Statt Wertschätzung gab es Schweigen, statt Dialog die berüchtigte Löw-Auszeit.
Heute analysiert Ballack als TV-Experte Spiele, berät Spieler, schreibt an seiner Autobiografie. Die WM 2010 verlor Deutschland im Halbfinale gegen Spanien – mit Lahm als Kapitän, ohne Ballack im Kader. Ein Schnitt, der bis heute nachblutet.
