Altach spielt sich in die geschichtsbücher: cupfinalist ohne cent ablöse
Der SCR Altach schreibt gerade die verrückteste Saison seiner Geschichte. Kein Euro Ablöse, Trainerwechsel mitten im Winter – und trotzdem steht das Team aus dem Schnabelholz im Cupfinale und kann am Samstag gegen Blau-Weiß Linz den Klassenerhalt so gut wie perfekt machen.
Ein kader, der sich selbst repariert
Christian Ilzer ist längst vergessen. Ognjen Zaric übernahm, ließ das 3-4-3 von Vorgänger Ingolitsch bestehen und war vier Ligaspiele ungeschlagen – so gut startete noch kein Altacher Coach. Die Mannschaft spielt nicht mit, sie spielt. 2,1 Meter pro Sekunde vertikale Geschwindigkeit, 2,75 Pässe pro Spielzug – beides exakt Bundesliga-Durchschnitt. Kein Powerfußball, aber ein lebendiger. Und das mit Personal, das keinen Cent kostete.
Sportdirektor Philipp Netzer verpflichtete in zwei Transferperioden keinen einzigen Spieler gegen Ablöse. Stattdessen schlummerte das Talent schon im Kader. Patrick Greil kam ablösefrei aus Sandhausen und schoss in einem halben Jahr mehr Bundesliga-Tore als in seinen gesamten vorherigen drei Spielzeiten zusammen. Lukas Jäger, der Mann mit dem Kopfball im Cup-Halbfinale in Salzburg, ist wieder der Kapitän von einst. Und Mike-Steven Bähre?

Bähre ist kein showman, er ist das fundament
Der Deutsche quält sich nicht mit Torschüssen oder Flanken. Er erobert. 138 Mal holte sich der Sechser den Ball im Grunddurchgang – öfter als jeder andere in der Liga. 1.000 Pässe, 87 Prozent Trefferquote, 422 Pässe in die gegnerische Hälfte bei 79 Prozent. Keine Instagram-Statistik, aber eine, die Spiele gewinnt. „Altach war mein Lotto-Sechser“, sagt er selbst. Nach fünf Klubs in acht Jahren findet er hier seit Januar 2023 Heimat. Der Jackpot-Klub eben.
Die Infrastruktur folgt nach. Business-Klub fertig, Gesundheitswelt eröffnet, zwei neue Trainingsplatze im Bau. Alles ohne Millionen aus öffentlicher Hand, anders als in Linz, Wien oder Graz. Die Altacher finanzieren sich aus eigener Kraft, mit Förderungen, mit Mut und mit einem Spielplan, der am Samstag den nächsten Schritt bietet.

Ein sieg und die welt steht offen
17 Uhr, Schnabelholz, BW Linz. Bei einem Heimsprung wären es zehn Punkte Vorsprung aufs Schlusslicht. Dann winkt am 1. Mai das Finale am Wörthersee – vielleicht der erste Titel der Vereinsgeschichte. Die Fans werden noch das Jäger-Tor gegen Salzburg nennen, das Kopfball-Tor im 27. Cup-Spiel des Abwehrchefs. Der Assist kam natürlich von Greil.
Altach spielt nicht gegen die Liga, Altach spielt mit der Liga. Und wenn der Referee am Samstag pfeift, steht mehr als drei Punkte auf dem Spiel. Dann steht ein ganzes Projekt auf dem Rasen, ein Club, der beweist, dass man auch mit wenig viel machen kann – wenn man nur die richtigen Jäger und Bähre in den eigenen Reihen hat.
