Bailet schockt die downhill-könige: schweizer armada verrutscht im ersten courchevel-training
Ein Franzose, zwei Sekunden Vorsprung und die Schweizer Ski-Elite mit offenen Mündern: Matthieu Bailet hat das erste Abfahrtstraining in Courchevel gekapert und die Alpen-Ordnung auf den Kopf gestellt.
Der tag, als der außenseiter die uhr verprügelte
Bailet, bisher eher ein Name für Insider, raste mit der Startnummer 29 über die neue Olympiabahn und stoppte die Zeit bei 1:48,39 Minuten. Vincent Kriechmayr, Österreichs Coolness-Person im Speed-Bereich, blieb als Einziger in Schlagdistanz: 17 Hundertstel fehlten ihm auf die Spitze. Dahin aber war es für die Schweizer eine kleine Odyssey.
Stefan Rogentin verhinderte als Dritter mit 27 Hundertstel Rückstand wenigstens das komplette Podium-Desaster für die Eidgenossen. Danach wurde es dünn: Alexis Monney folgte auf Platz 14, bereits 1,29 Sekunden dahinter. Arnaud Boisset (16.) und Franjo von Allmen (19.) schafften noch den Sprung in die Top-20, doch die Lücke wuchs.

Odermatt und co. lassen die bretter sprechen – die uhr bleibt stumm
Marco Odermatt, sonst das Maß aller Dinge, landete mit 1,79 Sekunden Rückstand auf Rang 26. Niels Hintermann direkt davor, Alessio Miggiano auf Platz 29. Justin Murisier (51.) und Livio Hiltbrand (58.) komplettierten das Bild einer Mannschaft, die offensichtlich noch mit dem frischen Schnee und der Sonnenlage hadert.
Die Verhältnisse waren kein Geheimnis: die Piste lag in der Sonne, die Kanten rissen aus, und wer zu spät dran war, fraß Staub – beziehungsweise feuchte Kristalle. Bailet startete früh, traf die richtige Linie und nutzte die härtere Oberfläche vor dem Mittag. Die Schweizer kamen später, als die Spur sich schon weich zeigte.

Die botschaft von courchevel
Die Uhr log nicht: Bailet war schneller, Punkt. Für die Schweizer gilt jetzt, die Skispitze neu zu justieren. Rogentins dritter Platz ist ein Pflaster, mehr nicht. Odermatt wird in der Nacht die Daten zerlegen, die Servicemänner die Kanten schärfen, und am Freitag, wenn die Wertung zählt, zählt nur noch eines: wer zuerst durchs Ziel kommt, ohne zu viel zu riskieren.
Courchevel hat gesprochen. Die Downhill-Saison ist offen wie selten. Und das nächste Training startet in wenigen Stunden – mit der Startnummer eins, die jetzt niemand mehr auslosen muss: Sie trägt das Gesicht von Matthieu Bailet.
