Bachthaler löst wildersinn bei kickers ab: der neue muss jetzt tore statt tränen liefern

Die Stuttgarter Kickers drehen das Blatt. Nach einer Saison, die nur noch acht Tabellenplätze und 16 Punkte Rückstand auf die Spitze zählt, feuern sie Marco Wildersinn und holen mit Holger Bachthaler einen Mann, der schon dreimal knapp an der 3. Liga vorbeischrammte. Jetzt soll er’s endlich richten – und das bei einem Traditionsklub, der seit Jahren zwischen Anspruch und Realität pendelt.

Warum bachthaler? weil er struktur bringt und junge spieler nicht verheizt

Lutz Siebrecht, Geschäftsführer Sport, redet keinen Umweg: „Er steht für eine strukturierte Arbeitsweise, eine klare Spielidee und die Entwicklung von Spielern.“ Gemeint ist: Der 51-Jährige liefert keine Bandwurm-Ansagen, sondern einen Plan. In Ulm hatte er den SSV 1846 auf Aufstiegskurs gebracht, scheiterte aber jeweils an der letzten Hürde. Die Kickers hoffen, dass diese Erfahrung jetzt zählt – nicht als Makel, sondern als Lehrgeld.

Bachthaler selbst wirkt wie jemand, der weiß, worauf er sich einlässt. „Die Stuttgarter Kickers sind ein Traditionsverein mit großem Potenzial und einer leidenschaftlichen Anhängerschaft“, sagt er. Das klingt nach Standard, aber wer die Waldau kennt, weiß: Dort wird Samstagnachmittag noch gebrüllt, wenn’s nur halbwegs läuft. Die Fans haben keine Lust mehr auf Platz acht und auf Skandale wie den Rassismus-Vorfall im März, der das halbe Team traumatisierte.

Der abgang von wildersinn war keine frage des ob, sondern des wann

Der abgang von wildersinn war keine frage des ob, sondern des wann

Seit dem Vorfall, bei dem ein eigener Spieler rassistisch beschimpft wurde, lief es nur noch bergab. Wildersinn wirkte angeschlagen, die Mannschaft zerstritten. Die achte Tabellenposition ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis von Wochen, in denen Tore fehlten und die Moral noch mehr. Bachthaler muss nun eine Truppe wieder aufrichten, die sich selbst nicht mehr glaubt. Seine erste Aufgabe: Sommertraining ohne Frustfaktor, dafür mit klaren Rollen.

Die Kickers haben sich entschieden, nicht zu warten. Die Verpflichtung jetzt, zwei Spieltage vor Saisonende, signalisiert: Wir handeln, statt zu hoffen. Bachthaler kann sich in Ruhe ein Bild machen, wer bleibt, wer geht, wer sich beweisen will. Illertissen, sein aktueller Arbeitgeber, spielt keine Rolle mehr – dort war er ohnehin nur bis Juni verpflichtet.

Die Zahlen sind gnadenlos: 30 Spiele, 43 Punkte, 37:31 Tore. Zu wenig für oben, zu viel für unten. Die Kickers stehen still. Bachthaler kennt dieses Mittelfeld-Gefühl, er hat es in Ulm hinter sich gelassen. Nun darf er es in Stuttgart beenden – oder er wird Teil davon. Die Waldau wird es ihm zeigen.