Babbel zerlegt sané-nominierung: „potenzial nützt nichts, wenn’s nur potenzial bleibt“

Markus Babbel redet Tacheles. Der EM-Held von 1996 hört sich Leroy Sanés Namen in der DFB-Liste an und schüttelt nur den Kopf. „Ich weiß nicht, was ich kriege – und das ist zu wenig für eine WM-Probe“, sagt er im ran-Interview und liefert damit die schärfste Kritik seit der Nominierung des 30-Jährigen.

Die unbeständigkeit ist kein tempo-dribbling mehr, sondern ein handicap

Sané lief zuletzt in Istanbul nur noch sporadisch auf. Champions-League-Achtelfinale: 45 Minuten, davor Bank. Süper Lig: Sperre. Und trotzdem fliegt er nach Frankfurt, um gegen die Schweiz und Ghana zu testen. Babbel findet das ungerecht gegenüber jenen, die Woche für Woche liefern. El Mala, Adeyemi, Beier – Babbel und Kollege Dietmar Hamann zählen sie auf, als hätten sie die Liste schon länger neben der Fernbedienung liegen.

Die Zahlen? 72 Länderspiele, 16 Tore, 10 Assists. Klingt okay, doch die Debatte dreht sich nicht um Statistiken, sondern um Glaubwürdigkeit. Nationaltrainer Julian Nagelsmann betont intern, Sanés Trainingleistungen seien „explosiv“. Was nutzt das, fragt Babbel, wenn der Knoten auch in der Türkei wieder zuläuft? „Kreisklasse“ ist das Stichwort, das durch die sozialen Netzwerke flattert – gemeint ist die Phase nach einem guten Spiel, wenn Sané plötzlich wieder fahrig wirkt.

Nagelsmanns antwort ist schweigen – und ein vertrauensvorschuss mit verfallsdatum

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Die WM rückt näher, Serge Gnabry wartet auf der rechten Seite. Wer den Platz verliert, fliegt wohl raus aus Katar. Sané weiß das, deshalb war sein 6:0-Triumph gegen Liechtenstein kein Freudentanz, sondern Befreiung. Zwei Tore, ein Assist – doch selbst diese Gala reicht Babbel nicht. „Potenzial ist kein Ticket, sondern ein Versprechen, das man einlösen muss“, lautet sein Urteil.

Für Nagelsmann wird der Doppeltest zum Selektionsbrennglas. Wenn Sané schwächelt, lautet die Headline morgen: „Zweifel bestätigt“. Trifft er, heißt es: „Konstanz bewiesen?“ Babbel glaubt nicht an Wunder, sondern an Kopf und Leistung. Und solange Letztere aussetzt, bleibt Sané beim DFB ein Projekt – nicht mehr, nicht weniger.

Die Uhr tickt. In 63 Tagen beginnt die WM. Für Sané ist das keine Countdown-Uhr, sondern ein Zählwerk, das seine Karriere in der Nationalmannschaft neu vermessen wird. Entweder er wird zur Konstante – oder zur Fußnote.