Stellantis begräbt die ölgebad-zahnriemen-pleite – gen3-motor kommt mit kette
Knapp eine Million Rückrufe nagten am Ruf des 1,2-Liter-Dreizylinders. Jetzt schickt Stellantis die dritte Generation ins Rennen – und setzt auf die gute alte Steuerkette. Die Devise: Weg vom Ölbad, hin zur Dauerlauf-Garantie.
Bis 2018 galt der EB2 PureTech noch als kleines technisches Juwel. Fünf Mal hintereinander wurde er zum „Motor des Jahres“ gekürt, spielte souverän Leistung, Verbrauch und Komfort zusammen. Doch die Zahnriemen im Ölbad alterten vorzeitig, rissen, blockierten die Wasserpumpe – und zwangen PSA und später Stellantis zu immer kürzeren Wartungsintervallen: statt 180 000 km plötzlich 100 000 km, statt zehn Jahre nur noch sechs. Die Reputation bröckelte.
Gen3 heißt jetzt einfach 1,2 turbo – name gestrichen, problem gelöst
2023 lancierte der Konzern die Gen3-Version. Der Marketingzusatz PureTech verschwand aus Schrägstrich-Listen, um jede Assoziation mit den Rohrkrepierern der Vorjahre zu vermeiden. 70 Prozent der Komponenten sind neu. Die Steuerkette ersetzt die Zahnriemenspannung, ein verstärkter Kurbelwellenblock, eine geänderte Zylinderkopf-Geometrie und ein neuer Turbolader sollen die Thermik stabilisieren. Der Zyklus nach Miller senkt den Brennraumdruck und damit die mechanische Belastung.
Stellantis ließ Testmotoren absichtlich mit einem hohen Benzinanteil im Öl laufen – eine Situation, die früher Katastrophen auslöste. Ergebnis: nach 250 000 km keine signifikanten Verschleißspuren. Die Ingenieure sprechen intern von „Lastzyklus-Overkill“. Der Kunde profitiert: Wartungsintervall für Ölwechsel und Kettenspanner steht wieder bei 30 000 km oder zwei Jahren.
Welche modelle fahren bereits mit der ketten-version
Alles, was ab Modelljahr 2023 als Hybrid neu oder faceliftet auf den Markt kam, trägt die Gen3-Baugruppe. Alfa Romeo Junior, Citroën C3 und C3 Aircross, Jeep Avenger, Fiat 600 und Grande Panda, Lancia Ypsilon sowie diverse Opel- und Peugeot-Mild-Hybrid-Varianten lechzen nicht mehr nach frischem Zahnriemen. Wer dagegen einen reinen Benziner mit altem EB2-Label kauft – etwa Opel Corsa, Peugeot 208 oder Jeep Avenger ohne Elektro-Unterstützung –, sollte die Werkstatt-Historie genau prüfen. Dort wurden zwar Nachrüst-Kits verbaut, doch die Grundkonstruktion bleibt die gleiche.
Die Botschaft ist klar: Stellantis zieht die Notbremse, bevor die Marke „Dreizylinder“ endgültig nachhaltig schlechte Klingelspur hinterlässt. Die Ketten-Version kostet im Einkauf zwar rund 45 Euro mehr, spart aber im Schadenfall Tausende – und rettet das Gesicht eines einst gefeierten Motorenkonzepts.
