Mercedes schickt die w17-2.0: antonelli könnte in montreal davonfliegen
Kimi Antonelli gewinnt in Miami, sieht aber schon den nächsten Schlag nach: In zwei Wochen präsentiert Mercedes auf dem Île Notre-Dame ein Upgrade-Paket, das Toto Wolff intern W17-2.0 nennt – und das die WM-Entscheidung schon vor der Sommerpause vorbereiten könnte.
Neue frontflügel, leichtbau-getriebe und ein clutch-lenkrad für antonelli
Die Ingenieure in Brackley haben die Antwort auf McLarens Hochgeschwindigkeits-Update und Ferraris Flügelrevolution nicht lange auf sich warten lassen. Der frische Frontflügel erzeugt mehr Outwash, presst die chaotische Luftströmung noch weiter nach außen und füttert den Unterboden mit sauberer Energie. Dazu passen modifizierte Verkleidungen an den Aufhängungsarmen – kleine Carbon-Lamellen, die wie Surfbretter die Luft umlenken – und ein neu konstruierter Heckdiffusor, der in den Bremszonen von Montreal mehr Abtrieb und Stabilität verspricht.
Die zweite Stufe betrifft die Mechanik: Das Getriebe verliert rund 800 Gramm, die als Zusatzblei nun exakt dort platziert werden, wo der Aerodynamiker sie braucht. Für Antonelli kommt ein neues Lenkrad mit verkürztem Clutch-Hebelweg hinzu, weil seine Startübungen im Simulator immer noch mit kleinen Ruckern endeten. „Kimi drückt zu schnell, die Kupplung rupft“, sagte ein Boxen-Ingenieur nach dem Rennen in Florida. Das neue Teil soll die Bissigkeit nehmen und den 17-Jährigen von Position eins wegschießen, ohne das Drehmoment zu zerhacken.

15 Punkte vorsprung – ein sieg würde die meisterschaft sprengen
Stand heute führt Mercedes mit 87 Zählern vor Ferrari (72) und McLaren (68). Sollte Antonelli in Montreal gewinnen und Teamkollege George Russell als Zweiter ins Ziel kommen, würde der Rückstand auf die Verfolger auf über 40 Punkte anschwellen – nach nur fünf von 24 Rennen. Die Formel-1-Geschichte kennt nur zwei Teams, die einen solchen Vorsprung nach der Europasaison noch eingebüßt haben: 2003 Ferrari und 2012 Red Bull. Beide mussten bis zum letzten Rennen zittern.
Montreal ist dafür prädestiniert. Die langen Geraden kaschieren kleine Leistungsdefizite, die schweren Bremszonen verlangen nach mechanischem Grip – genau die Mischung, für die Mercedes die W17 gebaut hat. Und wenn es regnet, wie in sieben der letzten zehn Jahre, spielt das Upgrade seine Trümpfe aus: mehr Abtrieb, kühler Reifen, bessere Wärme in die Mechanik.
Die Konkurrez reagiert mit erhöhtem Druck. McLaren-Patron Zak Brown krempelte den Freitag in Imola um, um neue Flügel zu testen, Ferrari-Chef Fred Vasseur ließ in Maranello drei Nachtschichten einlegen, weil die Simulationen eine halbe Sekunde Rückstand signalisierten. Doch wer in Montreal ankommt, ohne die eigte Entwicklungsstufe auf dem Auto zu haben, kann nur hoffen – und hinterher zuschauen, wie Antonelli mit 320 km/h über die Start-Ziel-Gerade jagt und im Rückspiegel schon den nächsten WM-Pokal visualisiert.
