Kimmich-ausfall: nagelsmanns plan b für die wm?
Die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft läuft auf Hochtouren. Julian Nagelsmann hat einen Kader zusammengestellt, der auf fast jeder Position eine starke Doppelbesetzung bietet. Doch ein Schatten liegt über den Planungen: Was, wenn Joshua Kimmich, der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld und auf dem rechten Flügel, ausfällt? Eine Frage, die Bundestrainer Nagelsmann und das DFB-Team vor eine Zerreißprobe stellt.
Die lahm-vorstellung und nagelsmanns realität
Philipp Lahm, der ehemalige DFB-Kapitän, hätte sich eine andere Rolle für Joshua Kimmich gewünscht. In seiner persönlichen Traumelf sah er Kimmich auf der Doppelsechs, als zentralen Anker im Mittelfeld. Doch Nagelsmann hält weiterhin an der Bewährungsprobe auf der rechten Abwehrseite fest. Eine Entscheidung, die, wie sich zeigen könnte, eine Schwachstelle im DFB-Team aufdeckt.
Denn die Wahrheit ist: Echte Alternativen für Kimmich auf dieser Position sind rar. Nagelsmann wich bei der Pressekonferenz in Herzogenaurach aus, nannte keine konkreten Namen, sondern sprach von „mehreren“ Optionen, die von der Spielsituation abhängen würden. Ein Nebel aus vagen Andeutungen, der die Sorge um die Planungsreife des Teams verstärkt.
„Es gibt nicht diesen klassischen Rechtsverteidiger-Backup“, räumte Nagelsmann offen ein. Doch er betonte, dass dies bewusst gewählt sei, um auf anderen Positionen mehr Flexibilität zu gewährleisten. Eine elegante Umschreibung, die die Problematik nicht aus der Welt räumt. Sollte Kimmich ausfallen, wird nicht alles zusammenbrechen, so Nagelsmann, aber es wird eine Herausforderung.

Die kandidaten für den fall der fälle: anton, groß und beier
Wer könnte Kimmich ersetzen? Zwei Namen tauchen immer wieder auf: Waldemar Anton, der unauffällige Abwehrchef des BVB, und Pascal Groß, der erfahrene Routinier, der beim BVB bereits als Aushelfer auf der Außenbahn diente. Anton, der in der Bundesliga nur zwei Partien verpasste, ist der Inbegriff von Zuverlässigkeit. Seine Robustheit und Zweikampfstärke könnten in einer Krise Gold wert sein. Groß hingegen bringt die nötige Spielintelligenz und Erfahrung mit, um die Situation zu lesen und frühzeitig zu entschärfen. Allerdings fehlt ihm die Geschwindigkeit, die Kimmich auszeichnet.
Ein überraschender Name im Rennen ist Maximilian Beier, der junge Dortmunder, der sich gerade noch einen Platz im WM-Kader sicherte. Nagelsmann schwärmt von seiner „deutschen Arbeitermentalität“ und seiner Vielseitigkeit. Beier kann zwar offensiv glänzen, hat aber auch auf der linken Abwehrseite seine Qualitäten bewiesen – wenn auch in einer Dreierkette. Ob er in der deutschen Viererkette den nötigen defensiven Stellungsspiel abrufen kann, bleibt abzuwarten.
Die Parallelen zu Benedikt Höwedes bei der WM 2014 sind nicht zu übersehen. Der damals als Außenseiter geltende Innenverteidiger wurde zum unerwarteten Helden und spielte jede Minute des Turniers als Außenverteidiger. Vielleicht wartet auch diesmal ein vermeintlicher Ersatzspieler auf seinen großen Auftritt.
Die Wahrheit ist: Die Abhängigkeit von Joshua Kimmich ist ein Risiko. Nagelsmanns Plan B mag zwar existieren, aber er ist alles andere als wasserdicht. Die WM wird zeigen, ob die deutsche Nationalmannschaft in der Lage ist, diesen Ausfall zu kompensieren – oder ob die Achillesferse auf der rechten Abwehrseite zum Verhängnis wird.
