Audi-chef binotto stellt f1-reglement infrage

München. Ein Erdbeben im Lager der Formel-1-Teams? Mattia Binotto, der neue CEO und Teamchef von Audi im F1-Bereich, hat in Monaco Zweifel an der aktuellen Ausgestaltung des sogenannten ADUO (Automated Data Understanding and Optimization) lautstark geäußert. Während die FIA die Antriebseinheit von Red Bull als Referenz einstufte, wirft Binotto nun einen ganz anderen Blickwinkel auf die Messmethoden.

Die krux am kilowatt: ist das wirklich der einzig richtige weg?

Die krux am kilowatt: ist das wirklich der einzig richtige weg?

Die Entscheidung der FIA, Red Bull’s Motor aufgrund von Messungen am Verbrennungsmotor als führend zu bewerten, ohne die Leistung des MGU-K (Motor Generator Unit - Kinetic) und der Batterie zu berücksichtigen, sorgte im gesamten Paddock für Aufruhr. Das ADUO-System soll eigentlich benachteiligten Teams helfen, aufzuholen, doch seine Umsetzung wird nun massiv in Frage gestellt. Binotto bringt die Kernfrage auf den Punkt: „Ist es wirklich korrekt, das ADUO auf Kilowattzahlen zu basieren? Das ist durchaus diskutabel.“

Er zieht eine Parallele zum Chassislabor, wo ähnliche Mechanismen unter anderem Namen bereits existieren. „Ein Team, das im Qualifying hinterherhinkt, könnte in Belastungstests, im Windkanal, also in Bereichen, die für die Entwicklung entscheidend sind, mehr Möglichkeiten erhalten. Das würde eine Konvergenz ermöglichen.“ Doch die Entscheidung der FIA, sich ausschließlich auf reine Kilowattzahlen zu konzentrieren, sieht Binotto kritisch. „Wir könnten das durchaus noch einmal überdenken. Und vielleicht sollte man ein System einführen, das dem im Chassisbereich ähnelt und auf den Leistungen der vergangenen Saisons basiert. Denn wenn das Ziel darin besteht, ein ausgeglicheneres Feld zu erreichen, scheint mir das der direkteste Weg zu sein.“

Binotto schlägt vor, einen gemeinsamen Rahmen für Chassis und Antrieb zu schaffen, um sicherzustellen, dass die Top-Teams nicht bevorzugt werden und die schwächeren Teams eine faire Chance erhalten. „Die aktuellen Regeln sind so formuliert“, so Binotto, „und deshalb sollten wir der FIA vertrauen. Ich bin mir sicher, dass sie eine korrekte Bewertung vorgenommen hat.“

Die Frage, wie es weitergeht, ließ Binotto in Barcelona offen. „Sollten wir ein anderes Klassifizierungssystem einführen? Vielleicht.“ Ein klares Bekenntnis zur aktuellen Methode vermied er. Die Diskussion um das ADUO-Reglement ist damit noch lange nicht abgeschlossen, und die Aussagen von Binotto lassen vermuten, dass Audi bereit ist, eine aktive Rolle bei der Neuausrichtung des Systems zu spielen. Die Konsequenzen für das Kräfteverhältnis in der Formel 1 könnten erheblich sein.