Atlético nacional: junge kolumbianer-hoffnung wegen sexualdelikts angezeigt
Nicolás Rodríguez, 20, war als künftiger Mittelfeld-Motor von Atlético Nacional geplant. Jetzt droht ihm Gefängnis. Eine Frau aus Rionegro wirft ihm vor, sie mit Scopolamin betäubt und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte Ermittlungen, der Klub schweigt.
Die nacht von rionegro
Laut Protokoll lud Rodríguez die Anzeigerin nach einer Feier in seine Wohnung. Dort habe er ihr ein Getränk angeboten. „Mein Körper war bleischwer, mein Kopf nur noch Nebel“, sagt sie im Verhör. Die Mediziner fanden Spuren von Burundanga, einem Rauschmittel, das die Willenskraft ausschaltet. 36 Stunden später erst konnte sie sich an Details erinnern.
Rodríguez’ WhatsApp-Verlauf liefert den Ermittlern weitere Munition: „Ich habe sie ruhiggestellt“, schrieb er einem Kumpel um 4:07 Uhr. Die Antwort: „Leg dich schlafen, sonst wird’s hässlich.“ Die Nachrichten sind laut Staatsanwaltschaft „nicht zweideutig“.

Atlético reagiert mit schweigen
Der Vorstand tagte gestern Nacht. Kein Statement, keine Suspendierung – nur ein internes Schreiben, das „volle Kooperation“ zusichert. Intern ist man laut Insidern „zerissen“. Rodríguez’ Ablöse war für 2025 auf fünf Millionen Dollar taxiert. Sponsoren drängen auf Distanz, die Fans auf Aufklärung.
Trainer William Amarilla setzte den Spieler gestern aus dem Kader. „Wir warten auf Beweise“, sagt er knapp. Doch in den Kabinen gärt es: Mehrere Profis verlangen, dass der Klub Frauenbeauftragte einstellt und Nachwuchskräfte verpflichtend zu Anti-Gewalt-Seminaren schickt.

Kein einzelfall im kolumbianischen profifußball
Seit 2020 kursieren 23 Anzeigen wegen sexualisierter Gewalt gegen Erst- und Zweitligaspieler. Nur zwei Verfahren endeten mit Verurteilung. Die Liga verhängte bislang keine Standard-Sanktionen – die Vereine regeln alles intern. Die Folge: Täter wechseln einfach den Klub.
Die Richterin María Clara Díaz, spezialisiert auf Gewalt gegen Frauen, fordert ein Ligawechsel-Verbot bei laufenden Ermittlungen. „Ein Trikot ist kein Tarnumhang“, sagt sie. Ihr nächster Termin: morgen, 8:30 Uhr, gegen Rodríguez. Sollte die Anklage erhoben werden, drohen ihm bis zu 18 Jahre Haft – und Atlético Nacional ein Imageschaden, der sich nicht mit Pressemitteilungen kaschieren lässt.
