Atlanta explodiert: haitis hacken-geniestreich und marokkos späte machtdemonstration
Was für eine Nacht in Atlanta! Haiti lieferte zwei Weltklassetore, Marokko drehte das Spiel in einem furiosen Finish und der Mercedes-Benz Stadium bebte bis zum letzten Pfiff. Das 4:2 (2:2) beschert den Nordafrikanern Platz zwei in Gruppe C – und eine mögliche K.o.-Begegnung gegen Japan oder die Niederlande.
Joseph hackt sich in die wm-geschichte
Schon nach zehn Minuten schickte Jean-Kevin Duverne seine Innenverteidigung mit einem Body-Feint ins Leere und legte quer. Lenny Joseph nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor, ließ ihn über die Hacke kreuzen und jagte ihn mit einer traumhaften Drehung ins lange Eck. Die marokkanische Abwehr stand wie angewurzelt – 1:0 für das Team ohne Chance, aber mit unbändigem Stolz.
Plötzlich wurde Marokkos Ballbesitzmonopol brüchig. Haiti presste, stach und traf erneut. Wilson Isidor nahm im Halbfeld Maß, zog aus 25 Metern ab und hämmerte die Kugel millimetergenau neben den linken Pfosten – 2:1, und die Karibik-Fans tobten.

Hakimi trägt, rahimi krönt
Achraf Hakimi war der einzige Spieler, der die Partie in jedem Sprint trug. Sein Ausgleich kurz vor der Pause (39.) war reine Willenskraft: El Khannouss' Hereingabe wurde abgefälscht, Keeper Johny Placide klatschte vor die Füße des PSG-Profi, der nur noch einzuschieben brauchte.
Nach dem Seitenwechsel ein Schockmoment: 15 Minuten lang passierte nichts. Kein Schuss, keine Flanke, nur das gedämpfte Brummen der 71.000 Zuschauer. Dann erwachte Marokko. Ismael Saibari jagte Hakimis Flanke per Direktabnahme unter die Latte (45.+1). Soufiane Rahimi schraubte sich in der 78. Minute zum Kopfball hoch – 3:2. Und Gessime Yassine setzte in der 89. Minute den Schlusspunkt nach einer umstrittenen Szene, bei der der Ball knapp vor der Torauslinie schien.

Placide pariert, aber die kraft reicht nicht
Johny Placide, 38 Jahre alt, war Haitis letzte Bastion. Er entschärfte 20 Schüsse, flog zweimal spektakulär in den Winkel und verpasste nur knapp den Spieler des Tages. Doch seine Kollegen brachen in der Schlussphase ein, weil Marokko das Tempo immer weiter erhöhte.
Die Statistik lügt nicht: 20:4 Torschüsse, 68 Prozent Ballbesitz, 14 Ecken für die Atlaslöwen. Haiti brauchte nur vier Torschüsse, um zweimal zu treffen – Effizienz pur, aber am Ende reichte es nicht gegen die marokkanische Übermacht.

Was jetzt kommt
Marokko trifft im Sechzehntelfinale auf den Sieger der Gruppe F – mit 93 Prozent Wahrscheinlichkeit Japan, falls die Samurai-Blue gegen Schweden gewinnen. Sollte die Oranje-Elite der Niederlande die Gruppe anführen, erwartet uns ein Duell der Taktikgelehrten zwischen Regragui und Koeman. Haiti fliegt mit erhobenem Haupt nach Port-au-Prince und zwei WM-Toren, die die Karibik noch lange begleiten werden.