Athletic club schickt mitglieder an die urne – wahlkampf mitten im sa-endspurt
San Mamés bebt zweimal: erst vor Ostern, dann am 8. Mai. Der Athletic Club rief seine Socios gestern zur Präsidentenwahl aus – mitten auf der Zielgeraden von LaLiga, mit Europa-League-Ticket und Derby-Stimmung im Neckar. Die Uhr tickt laut.
Jon Uriarte will keine Sekunde verschwenden. Statt Juni, statt Ruhe, statt Transferplanung im Liegestuhl: Die Amtsgeschäfte der aktuellen Junta enden bereits am 29. März. Ab da regiert eine Interimskommission, Kandidaten haben exakt 240 Stunden, um fünf Prozent der rund 44 000 Mitglieder hinter sich zu vereinen. Los geht’s am 9. April – mitten in der Karwoche, wenn die Stadt auf Pasos schaut und die Kneipen voller Glöckner sind.

Der spielplan wird zur wahltrommel
Am 12. April empfangen die Rot-Weißen Deportivo Alavés. Die Partie fällt in die heiße Phase der Unterschriftensammlung. Jedes Tor, jede Pfostenszene, jede Kurve wird zum potenziellen Werbetraum für Außenseiter, die bis dahin noch kein Büro im Lezama betreten haben. „Wir stören den Sportbetrieb kaum“, sagt Uriarte. Fakt ist: Wer Kandidatur und sportlichen Erfolg verbindet, spielt mit dem Heimvorteil von 53 000 lautstarken Testimonials.
Die Frist endet am 18. April um 23:59 Uhr. Am 23. April verkündet die Wahlkommission, wer auf dem Zettel steht. Nur eine Kandidatur? Dann ist der Nachfolger schon an diesem Abend gewiss. Sonst folgt ein 16-tägiger Sprint bis zur Urnenöffnung, parallel zum Saisonendspurt mit Auswärtsspielen in Sevilla und Granada.
Die Logik dahinter: Ein frisch gewähltes Präsidium kann noch im Mai Kaderplanungen, Trainergespräche und Budgets für 2024/25 vorantreiben, statt im Sommerloch hinterherzuhinken. Die Gefahr: Wer jetzt keine Hausmacht hat, scheitert an der Uhr, nicht an der Idee.
Der Klub schickt seine Demokratie also auf Minenjagd durch den Kalender. Die Entscheidung fällt, bevor das letzte LaLiga-Ticket gelöst ist. Für die Socios heißt das: Stimmzettel statt Sommerfrische. Für die Spieler: jede Aktion unter Schlagzeilen, die nicht nur die Sportseiten füllen. Und für die Gegner: ein Athletic, das sich selbst zuschaut – und trotzdem angreift.
