Arnautovic und 1.000 fans eröffnen öfb-campus mit einem kribbeln

Die Mauer war noch frisch gestrichen, das Gras noch nie betreten – und dann sprintete Marko Arnautovic als Erster hinein. 1.000 Kids schrien sich die Seele aus dem Leib, das neue Trainingszentrum des Österreichischen Fußball-Bunds in Wien-Aspern bekam seine Uraufführung – und die war lauter als mancher Bundesliga-Samstag.

Die nummer neun unterschrieb, bevor er traf

Keine fünf Minuten nach der Toröffnung stand der ganze Kader auf dem Rasen. Stiftewedel in den Händen, Selfie-Apparate im Anschlag. Arnautovic, David Alaba und Co. ließen sich nicht einmal von den Securitys wegzerren – ein einstündiges Autogramm-Camp, bevor der Ball rollte. Die Botschaft: Hier wird nicht nur professionell, sondern auch nahbar gearbeitet.

Danach teilte sich die Mannschaft. Die A-Gruppe – neben Arnautovic und Alaba auch Xaver Schlager, Sasa Kalajdzic und die vier Nationaltorhüter – absolvierte ein lockeres Lauf- und Passspiel im Freien. Die übrigen Profis verschwanden in der Hightech-Halle, wo Kältekammern, Aquatraining und ein 3-D-Bewegungslabor warten. Regeneration vor Show, das hatte Trainer Ralf Rangnick angeordnet, einen Tag nach dem 5:1 gegen Ghana.

Ein kleinstadion, das großes vorhat

Ein kleinstadion, das großes vorhat

Die Tribüne im Mini-Stadion fasst nur 1.050 Zuschauer – und war binnen 90 Minuten ausverkauft. Eltern kamen mit Handtaschen voller Trikots, Kleinkinder in „Wir fahren zur WM“-Shirts. Der Eintritt: frei. Die Show: unbezahlbar. Als Arnautovic nach einer halben Stunde seine Socken auszog und in die Menge warf, klang das wie ein Konzert-Moshpit.

Der ÖFB sparte nicht mit Superlativen. „Erster öffentlicher Trainingstag im Campus“, „größte Nachfrage seit der EM-Quali 2021“, „Testlauf für künftige Fan-Events“. Die Zahlen bestätigen den Hype: 1.000 Tickets, 250 Warteliste, 250.000 Social-Media-Impressions binnen zwei Stunden. Die Botschaft: Der Verband will seine Stars dem Publikum wieder näher bringen – und sich selbst als modernen Kompetenz-Betrieb inszenieren.

Morgen geschlossen, übermorgen geht’s ums prestige

Morgen geschlossen, übermorgen geht’s ums prestige

Am Sonntag trainiert die Truppe ohne Zuschauer weiter, am Montag steigt das Abschlusstraining im Happel-Stadion – dann geht es am Dienstag (20.45 Uhr) gegen Südkorea. Rangnick will den Schwung mitnehmen, doch er warnt: „Wir haben Großes vor, aber wir müssen ruhig bleiben.“ Die Fans jedenfalls sind längst überkocht. Ein Junge, vielleicht zehn Jahre alt, brüllt nach dem Training in die Kamera: „Ich war dabei, als der Arnie das erste Mal hier traf!“ Sein Vater lacht, dann wird ein Selfie geschossen. Der Campus hat seinen Mythos – und der lebt von Geschichten wie dieser.