Argentinien schläft ein, jordanien brennt durch – und algerien jagt guatemala
Ein 17-Jähriger trifft per Freistoß, der Weltmeister wackelt, und irgendwo in Genua schießt Algerien sieben Tore, als gäbe es kein Morgen. Die Generalprobe für Österreichs WM-Gruppengegner lieferte am Freitagabend drei Geschichten – und eine Warnung.
Die nacht, in der jordanien alles verspielte
50. Minute, Amman, 30 000 Zuschauer in der Sports City. Baha Faisal verwandelt den Elfmeter, Ibrahim Sabra erhöht, 2:0. Die Jordanier tanzen, weil sie glauben, dass diesmal der Bann bricht. Seit dem verlorenen Arab-Cup-Finale gegen Marokko wartet die Mannschaft von Coach Jamal Sellami auf ein Erfolgserlebnis – und wartet noch. Denn Costa Rica kommt zurück, als hätte es die Ticos mit Bestellung aufgegeben: Alcocer trifft, Madrigal schießt in der 91. Minute den 2:2-Ausgleich. Jordanien kassiert zwei Gegentore in sieben Minuten plus Nachspielzeit. Die Luft ist raus, die WM-Generalprobe misslungen. Österreich, aufgepasst.

Messi-rotation und der paz-schock
In Buenos Aires steht Lionel Messi erst zur Halbzeit auf dem Rasen, doch der Abend gehört einem 19-jährigen Real-Madrid-Jungen. Nico Paz leitet den Freistoß kurz aus, zieht selbst ab – Mauretaniens Torhürt El Mokhtar sieht nur den Netzschwung. 2:0, Spiel gedreht. Dass Lefort in der 94. Minute noch einmal einnetzt, stört nur die Statistik. Argentinien gewinnt 2:1, doch die Zwischenbilanz des Abends lautet: ohne Messi in der ersten Halbzeit wirkt die Albiceleste greifbar, mit ihm danach immer noch nicht komplett souverän. Österreich kann das nutzen – wenn es denn den Mut findet, früh Druck zu machen.

Algeriens sieben tore, ein mahrez und ein gouiri
Während in Amman die Stimmung kippt, fliegt in Genua der Ball wie an Schnüren. Algerien trifft sieben Mal gegen Guatemala, und selbst das ist noch gnädig. Amine Gouiri erzielt einen Doppelpack, Riyad Mahrez verwandelt seinen Penalty mit der Coolness eines Mannes, der weiß, dass Kameras ihn aufnehmen. Zwischen den Treffern liegen nur 12 Minuten, zwischen dem vierten und fünften Tor nur zwei Sekunden Spielzeit plus Nachspiel. Algerien wirkt wie ein Team, das die WM schon vor der WM beginnt. Österreichs letzter Gruppengegner tritt am 28. Juni in Kansas City an – und wird mit Selbstvertrauen anreisen, das man sich in Wien nicht erlauben kann.

Die zahlen, die zählen
Argentinien: 15 Pflichtspielsiege in Serie, aber nur ein Tor Vorsprung gegen Mauretanien. Jordanien: ein Sieg in den letzten fünf Spielen, drei Mal kippte eine Führung. Algerien: 17 Tore in den letzten drei Tests, kein Gegentor seit dem Afrika-Cup-Aus. Die Bilanz lautet: einer ist heiß, einer kocht vor Wut, einer schläft noch. Österreich muss entscheiden, welche Geschichte es erzählen will.
