Arfaoui fliegt, bremen zerbricht: union demoliert werder mit spätem eklat

Rotlicht statt Champions-League-Licht. In der fünften Minute des Berliner Nachschlags schoss sich Werders Mittelfeldmotor Amira Arfaoui mit einer Grätsche gegen Nele Bauereisen selbst ab – und mit ihr die letzte Hoffnung der Grün-Weißen auf ein europäisches Comeback. Union Berlin fegte Werder Bremen mit 4:1 aus der Alten Försterei, der Rückstand auf Rang drei wächst auf sieben Punkte.

Union dreht auf, bremen dreht durch

Die Zahlen sind gnadenlos: 0:3 zur Pause, nur zwei Torschüsse auf das Berliner Tor, dazu ein verschossener Handelfmeter von Larissa Mühlhaus in der 28. Minute. Lia Kamber (18.), Lisa Heiseler (45.+1) und ein Eigentor von Verena Wieder (40.) bauten vor 2.812 Zuschauern die klare Vorentscheidung. Hannah Eurlings legte in der 78. Minute das 4:0 nach, ehe Lena Petermann mit dem späten Anschlusstreffer (85.) nur noch kosmetische Natur erreichte.

Doch die Szene, über die bis spät in die Nacht diskutiert wurde, passierte, als das Spiel längst gelaufen war. Arfaoui ging locker in die Grätsche, traf den Ball – und bekam dennoch Rot. Schiedsrichin Miriam Schwermer deutete die Aktion als Notbremse, obwohl Bauereisen noch 60 Meter vor dem Tor stand. Die Schweizerin schüttelte ungläubig den Kopf, verließ unter Protest das Feld. Video-Beweis? Nicht in der Frauen-Bundesliga. Protest? Fehlanzeige.

Kromp wirft mannschaft „katastrophen-halbzeit“ vor

Kromp wirft mannschaft „katastrophen-halbzeit“ vor

Werder-Trainerin Fritzy Kromp ließ nach dem Abpfiff kein Blatt vor dem Mund: „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Nicht griffig, kein Pressing, keine Zweikampfstärke – das war unter aller Kanone.“ Ihre Mannschaft habe „die Grundordnung vermissen lassen“ und sich „von der Intensität der Berlinerinnen überrennen lassen“. Mit nur zwei Nachholspielen im Rücken ist der Anschluss an die internationalen Ränge nun theoretisch möglich, realistisch wirkt der Traum nach dieser Vorstellung aber kaum noch.

Union feiert indes den siebten Saisonsieg und rückt auf Tabellenplatz fünf vor – nur drei Zähler hinter Frankfurt. Trainerin Ailien Poese sprach von einem „kleinen Finale“: „Wir wollten dem Sechsten wegrennen und haben es geschafft. Die Moral der Mannschaft war von Anpfiff bis Abpfiff überragend.“

Für Bremen bleibt die Erkenntnis, dass die Europacup-Träume erst einmal auf Eis liegen. Die nächste Woche bringt das Pokal-Viertelfinale bei der SGS Essen – ein Trostpokal, der plötzlich höchste Priorität hat. Denn wenn die Leistung in Berlin Standard wird, wird nicht einmal die Schweiz helfen.