Åre setzt schweizer alpin-herzen auf 180: holdener jagt das letzte podest vor dem finale
Am Samstag flattern die roten Fahnen wieder durch die Eisluft von Åre – und niemand ahnt besser als Wendy Holdener, dass dieses kleine Skigebiet in Schweden für die Schweiz ein verstecktes Juwel ist. Während die Konkurrentinnen noch Punkte sammeln, um ins Weltcup-Finale einzuziehen, reist sie an einen Ort, der ihr bereits dreimal Silber beschert hat. Dreimal hinter Mikaela Shiffrin, das steht in ihrer Akte wie ein stolzer Kratzer. Diesmal will sie die Farbe wechseln.
Die damen retten die statistik – und das selbstbewusstsein
Die Männer? Vergessen Sie sie kurz. Seit 2000 haben sie in Åre kein einziges Rennen gewonnen. 16 Starts, drei Podestplätze, kein Sieg. Die Zahlen sind so klar wie das Eis auf der Skipiste. Doch die Frauen schreiben ein anderes Kapitel. 2001 fegte Corinne Rey-Bellet durchs Super-G, zwei Tage später schraubte Sonja Nef den Slalom und den Riesenslalom zur Schweizer Doppel-Gala. Seitdem wartet das Land auf den nächsten Triumph – und genau deshalb brennt jetzt das Pulver.
Lara Gut-Behrami stoppte 2014 die Durststrecke mit Rang drei. 2024 stand sie wieder auf dem Podest. Die Botschaft: Wer einmal in Åre landet, kommt wieder. Holdener hat das verstanden. Sie trainiert mit dem Blick auf die Uhr, nicht auf die Gegnerinnen. „Ich muss nichts mehr zeigen“, sagte sie vor zwei Jahren – und meinte damit, dass ihre Technik sitzt. Doch die innere Uhr tickt. Ein Podest jetzt wäre der perfekte Abschluss vor dem Finale in Saalbach.

Michelle gisin fehlt – und das tut weh
Die Verletzung von Michelle Gisin hinterlässt ein Loch. 2022 und 2024 wurde sie Dritte im Slalom, 2024 sogar zum letzten Mal in ihrer Karriere auf dem Podest. Ihre Abwesenheit ist mehr als eine leere Startnummer. Es ist das Verschwinden einer Athletin, die in Åre ihre beste Seite zeigte. Die restliche Truppe muss nun nicht nur die Lücke füllen, sondern auch die Energie, die Gisin mitbrachte. Corinne Suter weiß, wie das geht. 2019 fuhr sie ohne vorheriges Weltcuppodest zu Silber und Bronze. Die Schweiz lebt von diesen Plot-Twists.
Die Männer werden das Wochenende als Zuschauer verbringen. Ihre letzte Medaille datiert aus 2019, und selbst da war es nur der Team-Event. Die individuelle Trophäe fehlt seit 2009, als Didier Cuche Zweiter wurde. Die Traditionsrießen Pirmin Zurbriggen oder Peter Müller würden den Kopf schütteln. Doch die Damen haben die Segel gesetzt. Holdener trägt die Fahne, Gut-Behrami das Tempo. Und vielleicht, nur vielleicht, schreibt Åre wieder ein Kapitel in Rot.
