Arda turan kehrt nach london zurück: diesmal will er mit dem shakhtar geschichte schreiben

Es ist ein Comeback, das wie ein Drehbuch klingt: Am 30. April 2014 schoss Arda Turan im Halbfinale der Champions League das 1:3 beim FC Chelsea und katapultierte Atlético Madrid ins Endspiel. Zehn Jahre später steht der Türke wieder in London – diesmal als Trainer des Shakhtar Donetsk. Und wieder geht es um eine Finalteilnahme, wieder ist sein Team der Außenseiter, wieder glaubt er an das unmögliche Happyend.

Der krieg, das exil und ein junger wilder

Die Parallele ist verblüffend: 2014 musste Atlético im Rückspiel nach dem 0:0 im Calderón in Stamford Bridge gewinnen. Heute muss Shakhtar nach dem 1:3 gegen Olympiakos in Piräus aufholen – und das, während das Team seit Monaten in Polen „heimspielt“, weil die Heimatstadt im Krieg versinkt. „Manchmal vergessen wir sogar, in welcher Stadt wir gerade sind“, sagt Turan. „Aber wir spielen trotzdem. Weil wir nicht aufgeben.“

Die Zahlen sprechen für sich: 20 europäische Pflichtspiele mehr als jeder ukrainische Konkurrent, Busfahrten von acht, zehn Stunden, Warterei an Grenzen, Training im Provisorium. „Meine Jungs sind 18, 19 – sie haben noch nie solche Last geschultert.“ Dass sie trotzdem Tabellenführer in der Ukraine sind und in der Conference League im Halbfinale stehen, verdanken sie einem Trainer, der selbst nie aufhörte, an sich selbst zu arbeiten.

Simeone, terim, luis enrique – und ein stück türkischer seele

Simeone, terim, luis enrique – und ein stück türkischer seele

Turan zählt seine Lehrmeister auf: „Von Simeone lernte ich, wie man einen Block formt, wann man den Ball klärt, wann zwei auf einen gehen. Von Luis Enrique lernte ich, wie man Räume erzeugt. Von Fatih Terim lernte ich, dass Taktik nur die halbe Wahrheit ist – die andere Hälfte ist Herz.“ Das mischt er zusammen, gibt es den ukrainischen Teenagern in Micro-Dosen: morgens Videoanalyse, mittags Psycho-Training, abends Belastungssteuerung. „Ich will nicht nur Siege, ich will Spieler, die morgen für 50 Millionen wechseln können, aber heute noch bereit sind, sich für den Klub zu verausgaben.“

Am Donnerstagabend in Selhurst Park steht er wieder an der Seitenlinie, 180 Minuten trennen Shakhtar vom ersten europäischen Finale seit 2009. „Das Schicksal schreibt man nicht ab, man schreibt es mit“, sagt er. Und lächelt dabei, als hätte er das Drehbuch schon gelesen.