Arbeloa schreibt königsklasse: drei duell-k.o.s gegen mourinho, guardiola, simeone

90 Minuten nach dem Schlusspfiff stand Álvaro Arbeloanoch immer am Spielfeldrand, das weiße Hemd bis auf die zweite Knopfreihe geöffnet, als hätte er gerade eine Runde boxen gehen müssen. Der 3:2-Sieg im Madrider Derby war kein Erfolg, sondern eine Kampfansage: Der Interimscoach hat Real Madrid in 72 Tagen aus der Krise katapultiert – und dabei drei Schwergewichte nacheinander K.O. geschlagen.

Mourinho, guardiola, simeone: ein triell in 25 tagen

Erst schickte er José Mourinho mit zwei Niederlagen in der Champions-League-Runde der letzten 32 nach Rom, dann zwängte er Pep Guardiola mit einem Doppelschlag gegen Manchester City in die Kiste – und am Sonntag ließ er Diego Simeone erstmals in einem Madrider Ligaderby als Verlierer zurück, seit der Argentinier 2011 das Ruder übernahm. Drei Trainerikonen, drei Eliminationen, ein gemeinsamer Nemesis: Arbeloa.

Die Zahlen sprechen eine Sprache, die selbst im statistisch verrückten Spanien für Fassungslosigkeit sorgt: 13 Siege in 17 Pflichtspielen, 76 Prozent Erfolgsquote – das ist mehr als Xabi Alonso je erreichte, als er zwischen August und Dezember 2022 die Zügel übernahm. Der Baskische Kollege blieb bei 71 Prozent hängen, weil seine Mannschaft in 34 Spielen sechsmal patzte. Arbeloa kassierte in der gleichen Zeit nur zwei Niederlagen, beide in der Copa del Rey gegen Zweitligisten, als er noch experimentierte.

Der verletzte kader und das taktische meisterwerk

Der verletzte kader und das taktische meisterwerk

Was die Leistung noch brisanter macht: Er agiert mit einem Lazarett im Rücken. Thibaut Courtois, Eder Militão, David Alaba und Aurelien Tchouaméni fallen seit Wochen aus, Vinícius Júnior spielt mit Schmerztabletten, Jude Bellingham laboriert an einer Schulterverletzung. Trotzdem rotierte Arbeloa gegen Atlético dreimal in der Startelf und stellte um von 4-3-3 auf ein 3-5-2 mit überraschendem Eduardo Camavinga als liberor. Das Ergebnis: Atlético kam nicht einmal zu einer nennenswerten Chance bis zur 78. Minute.

Simeone, der in der Pressekonferenz wirkte, als hätte man ihm den Schalk aus dem Gesicht geschnitten, räumte ein: „Er hat uns überrannt, wo wir eigentlich stehen.“ Der Beweis dafür, dass der Schüler den Lehrer eingeholt hat – schließlich war Arbeloa unter Mourinho und Guardiola selbst Spieler, beobachtete Simeones Defensivkünste aus nächster Nähe.

Warum der job jetzt an ihm klebt

Warum der job jetzt an ihm klebt

Florentino Pérez liebt spektakulöre Lösungen, aber er hasst Risiken. Und genau hier liegt Arbeloas Trumpf: Er vereint beides. Die Fans skandieren seit dem Abpfiff „Álvaro, quédate!“, die Kabine schwört sich auf ihn ein, die Bilanz ist besser als bei jedem Vorgänger in den letzten zehn Jahren. Selbst der Vorstandsboss, der ursprünglich Raul oder Maximiliano Allegri favorisierte, soll intern gesagt haben: „Wenn er so weitermacht, müssen wir ihn nicht mehr wegbeamen.“

Die nächsten drei Wochen entscheiden, ob daraus ein offizieller Vertrag wird. Gegner: FC Barcelona im Pokal, FC Bayern im Viertelfinale der Champions League, Girona in der Liga. Drei Endspiele, drei weitere Prüfungen. Doch egal wie es ausgeht – Arbeloa hat längst bewiesen, dass er nicht nur eine Notlösung ist. Er ist der neue Maßstab. Und der schläft jetzt erst mal in Valdebebas, nicht in der Jobcenter-Warteschlange.