Araujo spricht offen über seine mentale krise und hass im netz

Araujo spricht offen über seine mentale krise und hass im netz

Der FC Barcelona bereitet sich auf das Halbfinale im Copa del Rey gegen Atlético Madrid am Donnerstagabend (21 Uhr, Live-Ticker bei SPORTBILD.de) vor. Ein Fokus liegt dabei auch auf Ronald Araujo (26), der Anfang Dezember im ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams noch nicht dabei war. Nun bricht der uruguayische Nationalspieler sein Schweigen über eine schwere Zeit.

Die rückkehr nach einer auszeit

Araujo offenbarte gegenüber der spanischen Zeitung „Mundo Deportivo“, dass er sich in einer tiefen Krise befand. „Es hat sich vieles verändert, weil ich in dieser Zeit so viel gelernt habe. Ich denke, es war die richtige Entscheidung nach meiner damaligen Handlung. Ich fühle mich anders und bin glücklich darüber, weil ich entspannter und glücklicher bin. Ich kann wieder das genießen, was ich liebe, nämlich Fußball spielen, und das hilft mir sehr“, so der Verteidiger.

18 Monate angst und depression

18 Monate angst und depression

Die Probleme begannen bereits vor anderthalb Jahren. „Man versucht, stark zu sein, vielleicht aufgrund seiner Herkunft, man kämpft weiter, aber ich fühlte mich einfach nicht wohl. Nicht nur im Sport, sondern auch in meiner Familie und meinem Privatleben. Ich war nicht mehr ich selbst, und da machte es plötzlich Klick und ich sagte: Irgendetwas stimmt nicht, ich muss darüber reden und um Hilfe bitten“, erklärte Araujo.

Der auslöser und die reaktion

Nach der Gelb-Roten Karte im Champions-League-Spiel gegen Chelsea im November bat Araujo um eine Auszeit und zog sich zurück. Sein Comeback gab er Mitte Januar. „Manchmal braucht man einfach Hilfe. Ich hatte anderthalb Jahre mit Angstzuständen zu kämpfen, die in eine Depression mündeten, und so habe ich gespielt. Das hilft nicht, denn auf dem Spielfeld fühlt man sich nicht wie man selbst“, gestand er offen.

Unterstützung von kollegen und die reaktion auf hass

Araujo betonte, dass er nicht nur von seinem Team, sondern auch von Spielern anderer Vereine Unterstützung erhielt. „Spieler anderer Mannschaften aus Italien, Deutschland…“ meldeten sich bei ihm und „sie haben meine Entscheidung sehr geschätzt.“ Doch die Krise hatte auch eine erschütternde persönliche Komponente.

Schockierende enthüllungen über hass im internet

Araujo berichtete von verstörendem Hass im Internet, der sich sogar gegen seine Familie richtete. „Eines Tages habe ich mit meiner Frau Mate getrunken, als ich gesehen habe, wie sich ihr Gesichtsausdruck veränderte, als sie auf ihr Handy schaute – dann fing sie an zu weinen. Ich fragte sie, was los sei, und sie sagte mir: ‚Ich verstehe nicht, wie grausam Menschen sein können, sie wünschen unseren Töchtern den Tod.‘“

Er fuhr fort: „Wenn es so weit kommt, fängt man an, viele Dinge zu überdenken und erkennt, wie verrückt die Gesellschaft sein kann, insbesondere in den sozialen Medien. Man ist vielleicht nicht direkt davon betroffen, aber die Familie leidet darunter – die Mutter, die Frau, die Geschwister. Natürlich müssen sie lernen, damit umzugehen, denn so ist leider die Welt, in der wir heute leben. Aber es ist sehr schwer, wenn es die eigene Familie betrifft.“

Flick als unterstützende figur

Nach dem 2:1-Sieg im Copa del Rey erhielt Trainer Hans-Dieter Flick besonderes Lob. Araujo beschrieb ihn als eine väterliche Figur: „Flick ist wie ein Vater für uns“. Die Unterstützung des Trainers und das Bewusstsein für die eigene mentale Gesundheit sind entscheidend für Araujos Rückkehr zur Höchstform und seinen Beitrag zum Erfolg des FC Barcelona.