Antonelli schreibt geschichte: 19 jahre alt, sieg in shanghai – und seine lehrerin jubelt

1,9 Sekunden fehlten Max Verstappen auf den Geraden. Dafür brauchte Andrea Kimi Antonelli nur neun Runden, um die Führung zu übernehmen und in Shanghai als jüngster GP-Sieger aller Zeiten über die Zielline zu donnern. 19 Jahre, 3 Monate, 16 Tage. Die Nachricht schlug in der Nacht von Sonntag auf Montag sofort hohe Wellen – nicht nur in der Mercedes-Motorhome, sondern auch in einem muffigen Klassenzimmer in Casalecchio di Reno.

„Er war schon damals schneller als die hausaufgaben“

Alessandra Regina, Wirtschaftslehrerin am Istituto Salvemini, erinnert sich an den ersten Schultag nach dem Sommer 2023. „Kimi saß wie immer in der ersten Reihe, links am Fenster. Als ich die Klasse fragte, wer wohin will, sagte er ohne mit der Wimper zu zucken: ‚Ich will ein Grand-Prix-Rennen gewinnen.‘ Die anderen wollten Influencer werden oder Architekt. Er wollte 300 km/h.“ Die Klasne lachte. Regina nicht. „Ich habe ihn gefragt, ob ihm nicht schwindelig wird bei der Geschwindigkeit. Er hat nur gesagt: ‚Frau Regina, ich mache das seit meinem fünften Geburtstag. Das ist mein Normaltempo.‘“

Drei Jahre später sitzt Antonelli tatsächlich auf dem Podium – diesmal nicht auf dem Schulstuhl, sondern auf dem höchsten Treppchen der Formel 1. Die Lehrerin verfolgte das Rennen auf dem Handy in der Küche. „Als er in der Box stand und die Maske abnahm, habe ich geweint wie ein Schneeglöckchen. Dann habe ich ihm geschrieben: ‚10 in Technik, 10 in Zielgerade, 10 in Lebensmut.‘ Er hat sofort zurückgeschrieben: ‚Komme vorbei, bringe Trophäe mit.‘“

Mit schulranzen statt koffer durch die welt

Mit schulranzen statt koffer durch die welt

Antonelli beendete das Liceo mit 18 – nicht mit Privatunterricht, sondern mit Zoom-Fragen aus Melbourne, Silverstone und Budapest. „Er hat im Flugzeug Vokabeln gepaukt, in der Boxengasse Mikroökonomie“, erzählt Regina. „Wenn er eine Klausur verpasste, schickte er eine E-Mail: ‚Kann ich nachliefern, habe gerade Freitagstraining.‘ Die Kollegen haben ihn gemocht, weil er nie Sonderbehandlung wollte.“ Bei der mündlichen Prüfung widmete er der Kommission ein Kapitel über Sponsoring-Return-on-Investment in der Königsklasse. Note: 30/30. Mathe? „Er sagte: ‹Das bleibt ein Stück Papier mit zu vielen Buchstaben.› Aber er schaffte trotzdem die 6“, lacht Regina.

Die Klasse fuhr 2024 gemeinsam nach Imola. Antonelli organisierte Boxenstopp-Simulator, Rundgang über die Startaufstellung, Pizza-Essen mit den Mechanikern. „Er wollte, dass wir verstehen: Die Formel 1 ist kein Zirkus, sondern ein Betrieb mit 500 Leuten, die alle einen Schulabschluss brauchen.“

Die trophäe steht noch nicht im klassenzimmer – aber der kaffee ist schon bestellt

Die trophäe steht noch nicht im klassenzimmer – aber der kaffee ist schon bestellt

Regina schmunzelt: „Wir haben einen Termin ausgemacht: Nach dem Rennen in Imola kommt er vorbei, bringt den Pokal und eine Kiste Sekt. Dann stellen wir den Pokal zwischen den Overhead-Projektor und das Mikroskop. Und dann machen wir keine Nachschulstunde, sondern eine Siegesfeier.“ Bis dahin bleibt das Fenster in Reihe eins offen. „Für den nächsten, der hereinschaut und sagt: Ich will Weltmeister werden.‘“