Antonelli packt aus: so fühlte sich der wildeste sieg der saison an

„Die letzten zehn Runden dauerten zehn Jahre“, sagt Andrea Kimi Antonelli und lacht dabei, als wäre ihm noch immer der Schweiß der Shanghai-Nacht auf der Stirn. Der 18-jährige Rookie fuhr in China seinen ersten Formel-1-Sieg ein – und lieferte nebenher ein Drehbuch, das Hollywood nicht besser hätte schreiben können.

Ein verschätzter Bremspunkt, ein Rutscher über den kerb, ein Herz, das bis zum Helm schlägt. „Drei Runden vor Schluss bin ich komplett rausgeschossen, pures Adrenalin“, erzählt er im Interview mit Fiorello auf Radio2. Der Bologneser nimmt sich die Schuld für die fast-Panne nicht ab: „Pataccata – ein richtiger Bremsklotz, pures Brett.“

Der moment, in dem kimi räikkönen zurückkehrte – nur eben als irrtum

Als er schließlich auf das Podium stolperte, hallte durch die Boxenanlage ein Name, der ihn selbst aus dem Konzept brachte: „Kimi Räikkönen!“ Der Ansager hatte sich verschaltet. Antonelli grinst heute: „Ich dachte, ich spinne. Dann habe ich meinen Vater im Funk gehört: ‚Figlio mio, das bist du!‘“

Die echte Star-Power kam danach. Lewis Hamilton, der Mann, dem er 2025 den Mercedes-Platz abluchst, wartete mit dem wärmsten Handschlag auf. „Alle gratulierten, aber Lewis war der Netteste“, sagt Antonelli. Kein Neid, keine Show – nur Respekt von einem Rekordweltmeister, der selbst einst mit 22 Jahren der Jüngste war.

Und die Frage, die jeder stellt: Musste er mal in die Karbon-Faser-Innenraumtoilette? „Nein, ich halte das durch. Meine Mechaniker sagen Danke“, lacht er. Kleiner Tipp: Wer mit 6 g späteralen Kräften sitzt, verliert leicht die Kontrolle – über alles.

Sinner, bologna und die nächste wette

Sinner, bologna und die nächste wette

Freund Jannik Sinner schickte aus Indian Wells einen Gruß an den neuen italienischen Helden. Wer ist besser im anderen Sport? „Ich schlage ein paar Bälle, aber sein Rückhand-Slice ist besser als mein Downforce“, scherzt Antonelli. Sinner trainiert offenbar mit dem Kart – „vielleicht setz ich ihn mal in einen Doppelstocksitzer, wenn er reinpasst“.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Heimat. Europa-League-Rückspiel, Roma gegen Bologna – sein Herzensclub. „1:0 für Bologna, damit ich nach dem Sieg auch mal entspannt bin“, prophezeit er. Ob es dafür eine neue Radio-Imitation gibt? Würde nicht überraschen.

Die Formel-1-Saison ist erst drei Rennen alt, schon hat der Neuling die größten Namen der Sportwelt in seinen Bann gezogen. Nächster Stopp: Suzuka. Die Uhr tickt. Für Antonelli tickt sie nur langsamer – zumindest in den letzten zehn Runden.