Annett kaufmann packt aus: „sie beschrieben, wie man mich abstellt“

Sie ist 19, Europameisterin und gilt als Gesicht des deutschen Frauen-Tischtennis – doch hinter dem Erfolg versteckt sich ein Schatten, der sich nicht wegtrainieren lässt. Annett Kaufmann erhielt Morddrohungen, detailliert, grausam, digital.

Die nachricht, die alles veränderte

„Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden sollte“, sagt sie im Talk der Stuttgarter Zeitung. Die Drohung ist einige Monate alt, doch der Nachhall bleibt. Kaufmann meldete den Account, blockierte den Absender – und schluckte die Wut. Seitdem ist es ruhiger, aber nicht still.

Denn sie ist längst keine Einzelfall mehr. Im Training plaudern die Teamkolleginnen, tauschen Screenshots aus. „Frauen bekommen unsägliche Nachrichten, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen“, berichtet Kaufmann. Körper, Frisur, Stimme – alles wird auseinandergenommen. „Auch ich erhalte, neben anderen Hassbotschaften, viele extrem sexistische Kommentare.“

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Während der Winterspiele in Mailand und Cortina klagten Sportlerinnen erneut über Psychoterror in den Kommentarspalten. Die ehemalige Biathletin Franziska Preuß nannte es einen „Akkumulator aus Angst“. Die Parole lautet: Je sichtbarer, desto verletzlicher.

Silikon-algorithmen statt fair-play

Silikon-algorithmen statt fair-play

Kaufmann bringt die Geschwindigkeit des Sports mit der Trägheit der Plattformen zusammen. „Es wird schlimmer und schlimmer“, sagt sie. Die Löschzeiten sind lang, die Strafen lächerlich. Ein neuer Fake-Account ist in drei Minuten geboren, der Schaden bleibt für Jahre.

Der Deutsche Tisch-Tennis-Bund will das Thema nicht länger intern verhandeln. Präsidiumsmitglied Sandra Lenz kündigt ein Monitoring-Team an, das verdächtige Kommentare binnen 30 Minuten melden soll. Ob das reicht? Kaufmann zuckt mit den Schultern. „Wir können nicht 24 Stunden online sein, um uns zu schützen.“

Die Lösung liegt für sie auf dem Platz. Ballwechsel sind ehrlich: Wer zuerst trifft, gewinnt. Im Netz gilt das nicht. Dort zählt nur, wer am lautesten schreit. Kaufmann will nicht lauter werden. Sie will treffen. Mit dem Schläger – und mit ihrer Geschichte.