Anna-lena forster packt aus: gold, silber – und ein fanclub, der alles mitreißt
Es klingt wie ein Film: Am Hang von Cortina braust Anna-Lena Forster vorbei, der Schnee wirbelt, und an der Bande tobt ein Kommen-und-Gehen aus Cousins, Skikollegen und dem selbst gegründeten Fanclub „Radolfzell Racer“. Die 28-Jährige trägt Gold im Rucksack, Silber im Gepäck – und die Heimat im Herzen. „Ich kann direkt nach dem Ziel direkt auf die Tribüne springen und mir meinen Eltern den Staub aus dem Gesicht wischen“, sagt sie im SWR-Interview. So nah war Olympia selten.
„Neutraler wäre mir lieber gewesen“
Doch hinter dem Lächeln schimmert ein Riss. Russische und belarussische Athleten starten in Mailand-Cortina unter Nationalflagge – ein Bild, das Forster verunsichert. „Ich akzeptiere es, weil ich muss. Aber ich wäre es glücklicher, wenn sie neutral unterwegs wären.“ Ihre klare Ansage kommt ohne erhobenen Zeigefinger, wirkt deshalb schärfer. Die Paralympics wollten Teilhabe feiern, nicht geopolitische Risse aufreißen.
Die Zahlen sprechen trotzdem für sie: 1:21,37 Minuten brauchte sie im Slalom der Klasse LW 12-1 – eine Zeit, die selbst ihre Konkurrentin Momoka Muraoka ins Grübeln schickte. Gold. Zwei Tage später folgte Silber im Super-G. Fürster selbst kann es kaum glauben. „Ich lebe von Rennen zu Rennen, die Medaillen sind noch im Rucksack verstaut – irgendwo zwischen Energieriegel und Ersatzhandschuhen.“

Noch zwei rennen, ehe das feuerwerk kommt
Die Saison ist längst nicht vorbei. Am Freitag folgt der Riesenslalom, am Sonntag das Slalom-Finale. „Wenn ich da noch mal Gas gebe, darf ich vielleicht auch bei der Abschlussfeier in Cortina die Korken knallen lassen“, lacht sie. Die Veranstalter haben schon angefragt, ob sie die deutsche Fahne tragen will. Ihre Antwort: „Erst die Skier, dann die Show.“
Und danach? „Erst mal Heimreise, dann sehen wir weiter.“ Die Strecke führt zurück nach Radolfzell, wo der Hafen still liegt und die Schwäne sich nicht für Gold interessieren. Dort will sie abschalten – und vielleicht den dritten Platz auf dem Kaminsims frei machen. Die Paralympics 2026 sind noch zwei Tage jung, aber Anna-Lena Forster hat schon jetzt gezeigt: Sie ist die Königin des Monoskis – und die Prinzessin der Tribünen, wenn die eigenen Fans sie empfangen.
