Ankermann raus aus dem dhb-kreislauf – gestern noch mit golla, heute gegen österreich
18 Jahre, acht Tage, zwei Trikots. Rasmus Ankermann verließ Mittwochabum 20.30 Uhr das Teamhotel in Dortmund, stieg in den Nachtflug nach Friedrichshafen und war damit schon wieder Geschichte in der A-Nationalmannschaft. Kurzbesuch? Mehr als ein Vorgeschmack.
„Er hätte sofort spielen können“
Johannes Golla sagt es mit dem Grinsen eines Captains, der plötzlich alt wird: „Erstmal einen Teamkollegen haben, der zehn Jahre jünger ist als ich.“ Drei Trainingseinheiten hatte der THW-Linksaußen mit der DHB-Elite absolviert, wurde nicht abgeklingt, sprühte stattdessen Tempo in die Kreise. Bundestrainer Alfred Gíslason zog ihn trotzdem zurück – nicht aus Formfragen, sondern aus Planung. „Er soll die U20 noch mitnehmen, dann kommt er wieder“, lautet interne Marschroute.
Der Plan ist kalter Kaffee für Österreich. Am Freitag, 19 Uhr, Steißlingen, Testspiel. Ankermann wird starten, 50 Torschüsse erwarten, weil er kann. Weil er muss. Denn hinter dem EM-Silber rattert schon die nächste Generation den Berg hoch. Laut DHB-Statistik brauchte kein deutscher Feldspieler seit Uwe Böhmer 1989 weniger Zeit, um von der U19-Weltmeisterschaft in die A-Kadersichtung zu katapultieren.

Signal statt sanftest
Gíslason nutzte die Einladung als Leuchtbuchstabe: Platz ist da, wer’s packt. Keine Alibi-Tage, keine Schonfrist. Der Isländer mag klare Linien: „Wir wollen 2027 Weltmeister werden, dafür brauchen wir Spieler, die Druck erzeugen, nicht nur aushalten.“ In der Kabine hieß es deshalb T-Shirts wechseln, nicht Personalien. Keine Star-Allüren, stattdessen gemeinsames Essen, gemeinsames Video, gemeinsames Erbe.
Ankermann saugte alles auf, wie er sagt. „Ich habe gemerkt, dass mein Kreisläufer-Timing noch nicht World-Class ist, dafür mein Gegenstoßlächeln.“ Der Satz klingt wie ein Jungunternehmer, der gerade sein erstes Investment sichern durfte und schon den nächsten Pitch vorbereitet.

Die 5 prozent, die fehlen
Gíslason nannte nach dem EM-Finale gegen Danemark die letzten fünf Prozent als Manko. Kein Physik-Problem, sondern ein Kopf-Problem. Wer diesen Schwung mit 18 schon riecht, kann genau diese Lücke füllen. Der Countdown zur Heim-WM läuft, 501 Tage. Ankermanns interne Stopuhr steht bei 0:0 – und tickt lauter als jede andere.
Er flog nach Hause, Kopfhörer volle Pulle, Koffer volle Notizen. Nächste Station Bodensee, nächstes Tor voraus. Die Kurve steil, die Erwartung schon jetzt höher als der Flugraum. Wenn er am Freitag abpfiff, wird Gíslason wieder am Tablet sitzen. Keine Sentimentalität, nur Zahlen. Und die sagen: Wiederholung in Kürze.
