Andy schmid schlägt doppelschlag: nationalcoach wird klub-trainer – schweiz setzt alles auf em 2028
Der Schweizer Handballverband wagt den Coup. Andy Schmid, 42, wird ab Sommer nicht nur Chef der Nati, sondern auch Coach des HC Kriens-Luzern. Die Botschaft dahinter: Die Heim-EM 2028 ist kein frommer Wunsch, sondern ein Staatsziel – und Schmid soll zum Turbo werden.

Warum der verband riskiert, dass sein bundestrainer künftig doppelt schuftet
Nach der Analyse der EM 2026 stellte der SHV fest: Der Sprung ins Weltobst verlangt mehr als nur ein paar Extra-Sprints. Die Spieler brauchen Athletik-Coaches, Psychologen – und einen Chef, der täglich auf Klub-Ebene Feuer fängt. Schmid bekommt jetzt 200 Tage Jahr für Jahr am Limit, statt 50. Die Rechnung: Wer sich mit Weltklassespielern wie Großmann oder Steffen jeden zweiten Tag die Hände schmutzig macht, kann sie besser lesen, wenn es im Januar 202 in der Basler St. Jakobshalle um den Einzug ins Halbfinale geht.
SHV-Präsident Pascal Jenny spricht das aus, was sonst nur hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird: «Wir entscheiden nicht aus Sicht eines einzelnen Klubs.» Gemeint: Auch TV Suhr oder Kadetten Schaffhausen hätten geklatscht, wenn Schmid bei ihnen die Trainertasche schwingt. Doch Luzern bietet die perfekte Mischung aus Nachwuchsakademie, Top-Infrastruktur – und der Provokation, sich selbst zu übertreffen. Schmid selbst klingt wie ein Mann, der weiß, dass er sich mit dieser Doppelfunktion ins Feuer begibt: «Das Nationalteam hat klare Priorität. Aber der Alltag im Klub wird mich als Trainer schärfen.»
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2020 investierte der Verband 3,4 Millionen Franken in Leistungssport. Der größte Batzen fließt in die Männer-Akademie im OYM. Dort trainieren künftig auch die Leihgaben aus dem Klub – gecoacht vom selben Mann, der sie eine Woche später in die EM-Hölle führt. Ein Kreislauf, der Brutstätten wie Frankreich oder Dänemark seit Jahren erfolgreich nutzen.
Die Gefahr? Dass Schmid sich verzettelt. Dass ein verlorenes Pokal-Viertelfinale in Luzern seine Energie raubt, bevor die Nati in der Quali gegen Slowenien ran muss. Die Lösung: Ein Schichtplan, der bis 2028 jede Trainingseinheit minutengenau vorzeichnet. Wer dem SHV intern zuhört, spürt: Diese Doppellizenz ist kein Experiment, sondern ein Kalkül. Scheitert Schmid, gilt er als gescheitert. Gelingt ihm der Einzug ins EM-Viertelfinale auf heimischem Boden, wird er zur Legende – und der Verband zum Gewinner.
Für den HC Kriens-Luzern bedeutet das: 2027 wird kein Übergangsjahr mehr. Mit Schmid an der Linie wollen die Zentralschweizer erstmals seit 2014 wieder ins SEHA-Final Four. Für den Bund bedeutet es: Endlich wieder eine Handball-Identität, die über «guter Wille» hinausgeht. Und für Schmid? Der Mann, der als Spieler mit 1,84 m Größe in der «Zone» lebte, muss jetzt in zwei Zonen gleichzeitig überleben. Die Uhr tickt. Noch 1.320 Tage bis zur Eröffnung der EM 2028 in Basel. Dann wird sich zeigen, ob der Doppelschlag Geniestreich oder Griff ins Klo war.
