Andrich träumt von london und katar – doch ein fehler nagt
Robert Andrich spielt am Dienstagabend in der Emirates um den Viertelfinal-Einzug – und um seinen Platz im WM-Kader. Der Leverkusener Kapitän weiß: Ein einziger Fehler gegen Bayern könnte ihn teuer zu stehen kommen.
Der pass, der alles veränderte
Es war Minute 73 gegen den FC Bayern, als Andrich querlegte und Michael Olise traf. 1:1-Endstand, fünf Punkte Rückstand auf Stuttgart. Die Szene dauerte drei Sekunden, die Nachwirkungen könnten bis in den Sommer reichen. Bundestrainer Julian Nagelsmann saß in der BayArena, notierte sich, dass seine Sechser-Option plötzlich wackelte. Denn wer in der Champions-League-K.o.-Phase patzt, muss um die Tickets nach Katar bangen.
Doch Andrich hat sich in den vergangenen Monaten vom Xhaka-Ersatz zur Führungsfigur entwickelt. In der Kabine spricht er laut, auf dem Platz sortiert er junge Mitspieler mit Handzeichen und Kurzkommandos. Trainer Kasper Hjulmand nennt ihn „unseren GPS-Fuchs“, weil er die Lücken vor der Abwehr schließt, bevor sie entstehen. Die Statistik bestätigt: Seit Januar gewann Leverkusen 71 Prozent der Zweikämpfe, wenn Andrich auf dem Rasen stand – ohne ihn nur 54.

Arsenal bietet die bühne
Die Gunners gehen mit 1:1 aus dem Hinspiel, haben aber personelle Sorgen: Partey fehlt gelbgesperrt, Saka laboriert an der Hüfte. Für Andrich ist das ein Geschenk. Er muss Declan Rice im Mittelfeld stoppen, gleichzeitig die eigene Angriffsreihe mit vertikalen Steilpassen einbinden. Die letzte Trainingseinheit vor Abflug war eine halbe Stunde länger als geplant, weil Hjulmand mit Andrich Einzelvideos analysierte – Positionierung beim Gegenpressing, Laufwege bei Standards. Die Botschaft: Gewinne dein direktes Duell, und du gewinnst dein WM-Ticket.
Leverkusens sportlicher Rolfes flog bereits am Montag nach London, um den englischen Stil zu erforschen. Er berichtete: „Arsenal spielt schneller als Bayern, dafür weniger variabel.“ Genau diese Information gab Hjulmand an Andrich weiter, der prompt auf Instagram postete: „Ready to write a new chapter.“ Die Anspielung ist eindeutig: Kapitel Champions League, Kapitel Nationalmannschaft.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Andrich im Sommer nach Katar fliegt, lag vor dem Bayern-Spiel bei 78 Prozent – so die interne Analyse des DFB. Nach dem Patzer sank sie auf 52. Ein Sieg im Emirates würde sie wieder über 80 katapultieren. Zahlen, die der Spieler selbst nicht kennt, die aber seine Berater nervös machen. Denn neben Emre Can und Leon Goretzka buhlt auch der wieder genesene Florian Wirtz um einen Platz im defensiven Mittelfeld.
Am Dienstag um 22:30 Uhr deutscher Zeit steht Andrich vermutlich in der Mixed Zone. Entweder mit einem breiten Lächeln und der Erkenntnis, dass der Fehler gegen Bayern nur ein Kratzer in einem ansonsten glänzenden Lebenslauf ist. Oder mit gesenktem Blick, weil Arsenal ihn und Leverkusen nach Hause geschickt hat – und Nagelsmann seine Liste kürzt. Die Champions League ist kein Ponyhof, sagte er einmal. Für Andrich ist sie jetzt ein Sprungbrett oder eine Falle.
