Ancicka räumt auf: „ich wurde abgeschrieben, nicht gescheitert“

Tobias Ancicka trägt ab sofort die Panther-Maske. Der 25-Jährige schlüpft in Augsburg ausgerechnet in jene Rolle, die ihn in Köln verloren ging: unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten. Nach 151 Spielen ohne Shutout hat der DEL-Rekordmeister endlich wieder einen Ansporn – und einen Torwart, der sich selbst neu erfinden will.

„Ich brauche eis, nicht tribüne“

Die Zahlen aus der vergangenen Saison klingen wie ein schlechter Scherz: neun Einsätze, durchwachsene Leistung, kein Rückhalt. Dabei war Ancicka 2021 und 2022 noch deutscher Meister, erhielt 19 Länderspiel-Einsätze in Folge. Dann die Verletzung, dann das Schweigen der Verantwortlichen. „Es gab keine faire Kommunikation mehr“, sagt er ruhig, aber mit zitternder Stimme. „Von außen mag das wie Scheitern aussehen. Ich nenne es Abschreibung.“

Panther-Manager Michael Klein nutzte genau diese Leere. Drei Wochen lang telefonierte er fast täglich mit dem Keeper, schickte Videos neuer Trainingsmethoden, ließ Headcoach Mark French persönlich ein Konzept aufzeichnen. „Alle andere Clubs meldeten sich, aber Augsburg wollte mich wirklich“, so Ancicka. Die Botschaft war simpel: komm und spiel. Sofort.

151 Spiele, kein shutout – ancicka will die statistik beerdigen

151 Spiele, kein shutout – ancicka will die statistik beerdigen

Das letzte 0 der Panther datiert auf November 2021 zurück. Seither sammelten Olle Eriksson Ek und Steve Michalek nur noch Häme. Ancicka kennt die Zahl, lacht kurz auf: „Wird Zeit, dass jemand den Deckel draufmacht.“ Mit Maximilan Franzreb bildet er nun ein Duo, das sich gegenseitig pusht. „Jonesy und ich haben schon gewettet, wer zuerst das erste Shutout holt. Eins steht fest: es wird nicht nur eins bleiben.“

Die Vorbereung startet am 10. Juli. Ancicka will fünf Kilo Muskelmasse zulegen, seine Fanghand mit einer speziellen Reaktivbelastung trainieren. „Zwei Jahre Sauna auf der Tribüne reichen. Ich will wieder spüren, wie sich Eis unter den Kufen anfühlt, wenn die Anzeige auf 19.996 Zuschauer steht.“

Die Panther haben ihren neuen Helden. Ob er hält, was er verspricht? Die Antwort kommt am 13. September, wenn Köln in der Arena aufschlägt – und der abgeschriebene Torwart zurückkehrt. Keine Show, nur ein Statement: „Ich bin nicht gescheitert. Ich bin wieder da.“