Ancelotti: kann ein italiener bei der wm trotzdem jubeln?
Ein italienischer Trainer auf der brasilianischen Bank? Es klingt nach einem Affront, doch Carlo Ancelotti könnte Brasilien zurück in die Weltspitze führen. Nach einer turbulenten Phase der Trainersuche setzt die Seleção auf die Erfahrung und die beruhigende Präsenz des italienischen Fußballveteranen – eine Entscheidung, die für Aufsehen gesorgt hat, aber auch Hoffnung weckt.

Die augenbraue der ruhe trifft auf brasilianische seele
Wochenlang schwebte die Trainersuche bei Brasilien in der Schwebe. Gerüchte, Spekulationen, falsche Starts – der Druck wuchs. Doch dann kam Carlo Ancelotti, der erfolgreichste Trainer der europäischen Klubgeschichte, ins Spiel. Seine Verpflichtung war ein Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte wird die brasilianische Nationalmannschaft von einem Ausländer trainiert. Ein Italiener am Ruder der Seleção – das ist mehr als nur ein Trainerwechsel, es ist ein kultureller Bruch.
Ancelottis Erfolgsbilanz spricht für sich. Er gewann Meisterschaften in fünf verschiedenen europäischen Top-Ligen, holte fünf Champions-League-Titel und führte Mannschaften zu zahlreichen weiteren Titeln. Doch Ancelotti ist mehr als nur ein Taktiker. Er ist ein Menschenfänger, ein Motivator, ein Stratege, der seine Spieler zu Höchstleistungen antreibt – und das mit einer ihm eigenen Gelassenheit, die sich in seiner legendären, hochgezogenen Augenbraue widerspiegelt.
Brasilien, das seit dem enttäuschenden Ausscheiden im Halbfinale der WM 2014 gegen Deutschland im tristen 1:7 zu kämpfen hat, braucht dringend jemanden, der die Mannschaft wieder stabilisiert und ihr das Selbstvertrauen zurückgibt. Ancelotti soll dafür sorgen, dass die brasilianische Fußballseele wieder aufblüht – und das, obwohl er aus einem Land stammt, das in den letzten Jahren im internationalen Fußball kaum eine Rolle gespielt hat.
Der erste Test für Ancelotti steht bereits vor der Tür: Die WM 2026. Mit Vinícius Júnior, Raphinha und Neymar verfügt Brasilien zwar über eine beeindruckende Offensivkraft, doch es fehlt an Konstanz und taktischer Disziplin. Ancelotti muss es schaffen, diese Spieler zu einer Einheit zu formen und ihnen ein System zu vermitteln, das ihre individuellen Fähigkeiten optimal zur Geltung bringt. Das wird keine leichte Aufgabe sein, aber Ancelotti hat bereits bewiesen, dass er in der Lage ist, auch unter enormem Druck Höchstleistungen zu erbringen.
Die bisherigen Ergebnisse unter Ancelotti sind vielversprechend, aber es bleibt abzuwarten, ob er auch bei der WM ein Wundertopper bewirken kann. Die Welt hält den Atem an und beobachtet, ob ein Italiener am Ende tatsächlich für Brasilien jubeln kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist größer, als viele denken.
