Am 2. april 1974 flog der bvb in sein neues zuhause – und die fans haben nie mehr zurückgeschaut
50 Jahre ist das her, und trotzdem schreit der alte Bau noch lauter als jedes Smartphone. Als am 2. April 1974 das Westfalenstadion seine Tore öffnete, wusste noch niemand, dass sich hier eines Tage die größte Stehkurve Europas erheben würde. Die 54 000 Zuschauer damals waren nur der Anfang.
Kein geld, kein problem – wie dortmund den wm-zuschlag kassierte
Die Stadt hatte 1961 schon vom großen Traum geträmt, doch die Kasse war leer. Köln winkte ab, der DFB suchte dringend einen Austragungsort für die WM 1974. Dortmunds Politiker schlugen zu, kürzten Stahl, verzichteten auf Verschönerungen und schoben stattdessen 30 Millionen Mark Staatskohle in das Projekt. Ergebnis: ein Monolith aus Beton und Stahl, der selbst Helmut Schön ins Schwärmen brachte. „Nur das Aztekenstadion ist größer“, sagte der Bundestrainer nach der ersten Begehung.
Die erste Partie war kein Bundesliga-Kracher, sondern ein Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiss Essen. Die BVB-Profis liefen vor 54 000 neugierigen Menschen auf – dreimal so viele wie jemals zuvor im alten Stadion „Rote Erde“. Die Nordkurve tobte schon damals, obwohl sie noch gar nicht die gewaltige Schräge hatte, die sie später berühmt machte.

Vom betonklotz zur visitenkarte – warum der signal-iduna-park deutschlands größte fußball-bühne wurde
Die Umbenennung 2005 war reine Geldfrage, aber die Seele blieb. Mit jedem Ausbau wuchs die Legendenumgebung. Heute passen 81 365 Menschen hinein, an Meisterspieltagen sind es dank Stehplatzerweiterung sogar über 83 000. Die gelbe Wand ist lauter als ein Düsenjet, der Süden hallt länger nach als jede Kirche im Ruhrgebiet.
Statistiker lieben den Park: 1,3 Millionen Besucher pro Saison, 380 000 Bratwürste, 1,2 Millionen Liter Bier – und das alles bei 99,8 Prozent Auslastung. Die Zahlen sind so absurd, dass selbst Bayern-Fans sie neidlos anerkennen.
Was die Arena ausmacht, ist nicht nur die Größe. Es ist die Geschwindigkeit, mit der sich Stimmung verflüchtigt und neue aufbaut. Ein Gegentor in der 90. Minute? Die Kurve brüllt noch lauter. Ein Sieg gegen Schalke? Die Glocke der Stadt wird eine Stunde lang geläutet. Kein Ort in Deutschland vereint so viel Brachialgewalt und so viel Zärtlichkeit wie dieses Kastell am Strobelallee.
50 Jahre nach der Eröffnung steht der Signal-Iduna-Park nicht nur für Titel, sondern für eine Lebenshaltung. Wer hier war, versteht, warum Dortmund ohne seinen Tempel nur halb so laut wäre. Und warum der BVB trotz aller sportlichen Tiefen nie den Anschluss verlor – weil die Wand ihn trägt, egal wie sehr das Spiel wackelt.
