Alonsos sitz-drama: war's doch die luftzufuhr?

Fernando Alonso hat in Kanada einen frustrierenden Rennabbruch erlebt, doch die Ursache des Problems scheint nun etwas klarer zu werden. Während der Spanier bereits in Bahrain auf Probleme mit seinem maßgefertigten Sitz angespielt hatte, scheinen die aktuellen Schwierigkeiten tiefer zu gehen als nur ein generelles Unbehagen.

Der luftkissen-trick und seine möglichen fallstricke

Der luftkissen-trick und seine möglichen fallstricke

Alonso setzt seit einiger Zeit auf eine spezielle, maßgefertigte Lendenwirbelstütze, die in den Sitz integriert ist und mit Luftdruck reguliert wird. Seine Mechaniker wurden dabei oft beobachtet, wie sie kurz vor dem Start an den Ventilen des Systems manipulierten. Diese Luftkissen, die wie traditionelle Blutdruckmessgeräte aufgeblasen werden können, sollen seine Wirbelsäule schützen, von der er seit Jahren leidet, insbesondere nach anspruchsvollen Rennen auf ruppigen Strecken wie Austin oder nach Vorfällen wie in Spa. Ein Wegfall des Luftdrucks während des Rennens, beispielsweise durch eine undichte Stelle im System oder ein Problem mit dem Sicherheitsventil, könnte die Ursache für Alonsos Unbehagen gewesen sein.

Nach den Problemen am Samstag, als er aufgrund der Sprintdistanz das Rennen noch beenden konnte, wurden Anpassungen vorgenommen, die jedoch offenbar nicht den gewünschten Effekt erzielten. Es wird spekuliert, dass der Unfall in der SQ1 in Montreal das System beschädigt haben könnte, oder dass Versuche, den Sitz mit Schaumstoff zu füllen und neu anzupassen, fehlgeschlagen sind. Das Luftsystem scheint dabei unersetzlich zu sein.

Die Belastung für den Champion: Alonso hat in seiner beeindruckenden Karriere – 25 Jahre Formel 1, zwei Weltmeistertitel bei den Langstreckenrennen (2018 und 2019), drei Starts bei der Indy 500 und sogar ein Anlauf beim Dakar-Rallye (2020) – seinem Körper einiges abverlangt. Die ständige Vibration und Belastung, die durch die fehlende Federung in Formelautos entstehen, fordern ihren Tribut.

„Ja, wir hatten dieses Problem (am Samstag) mit dem Sitz, wo ich mich mit jeder Runde immer unwohler fühle. Die Position fühlt sich nicht richtig an“, klagte Alonso nach dem Rennen in Kanada. Er hätte das Rennen theoretisch beenden können, auch mit diesem Unbehagen, wurde aber vom Team aufgefordert, anzuhalten. „Wenn ich um den Weltmeistertitel kämpfen würde, könnte ich mit diesen Vibrationen drei Stunden durchhalten“, hatte er bereits vor dem Rennen in Australien angedeutet.

Das Team scheint nun alles daranzusetzen, um das Problem vor dem Rennen in Monaco zu beheben. Die Fans dürfen hoffen, dass Alonso in Monte Carlo wieder voll angreifen kann, ohne von Rückenschmerzen geplagt zu werden. Denn eines ist klar: Ein Fernando Alonso in Topform ist ein Gegner, den man ernst nehmen muss, selbst wenn er gelegentlich von einem eigensinnigen Sitz ausgebremst wird.