Almeyda wirft das handtuch: «wenn mein rauswurf hilft, wissen sie bescheid»
Matías Almeyda stand da, als hätte er die Worte schon vor Tagen in der Kehle – und nur noch gewartet, sie rauszuhauen. Nach der 0:2-Heimklatsche gegen Valencia sprach der Argentinier nicht von Pech, nicht von Chancen, die man noch hatte. Er sprach von Angst. Von einem Team, das sich selbst nicht mehr erträgt. Und von einem Trainer, der seinen Kopf hinhält.
«Das war kein Fußballspiel, das war ein Albtraum im Zeitlupentempo», sagte Almeyda. Die erste Halbzeit: zwei Geschenke, zwei Gegentore, null Antwort. Die zweite: mehr Einsatz, aber keine Idee. «Wir haben das Spiel vorbereitet, und nichts ist angekommen. Nicht einmal der Kampf.»
Elf feldspieler, ein kollektiv von zweiflern
Die Aufstellung? Geheimnisvoll. César Azpilicueta musste mit Adduktorenproblemen runter, Youssef En-Nesyri saß zunächst krank auf der Bank. Dafür rückte Rubén Vargas rein – nach vier Monaten Zwangspause. «Er hat Tempo, er hat Mut, aber er spielt noch gegen seine eigenen Beine», erklärte Almeyda. Die Logik klang nach Verzweiflung: Wer lange fehlt, soll plötzlich die Wende schaffen.
Die Statistik nagt an Sevilla. Kein Sieg seit fünf Liga-Spielen, nur zwei Treffer in 450 Minuten. Die Fans pfiffen, die Spieler schauten zu Boden. Und der Coach? «Ich bin der Hauptverantwortliche. Wenn der Klub mich feuern muss, damit die Mannschaft wieder aufwacht, dann tut er das. Ich drehe nicht daran.»

Der trainer, das fieber und die frage nach kontrolle
Hinten in der Kabine schlummert ein Detail, das niemand auf dem Platz sah: Almeyda lag am Vortag mit Fieber flach. «Ich wusste, dass ich En-Nesyri nicht von Beginn an schicken kann.» Ob die Entscheidung seine war, ließ er offen. «Manche Dinge entscheide nicht ich.» Ein Satz, der in jedem Vorstandsbüro knackt wie ein Peitschenhieb.
Dazwischen die Wechsel-Choreografie: Azpilicueta raus, Akor Adams rein. Drei Minuten später wurde das System umgestellt, wieder drei Minuten später das nächste Umklappmanöver. «Wir wollten Druck, wir lieferten Chaos», resümierte Almeyda. Valencia brauchte nur zu warten.

Neun finals warten – oder vielleicht nur noch acht
Jetzt kommt die Länderspielpause. «Manchmal kommt sie, wenn du sie brauchst. Manchmal kommt sie, wenn sie dich zerquetscht», sagte der Argentinier. Neun Partien sind noch zu spielen. Für Sevilla heißt das: neun Endspiele im Abstiegskampf. «Wenn die Jungs von den Nationalteams zurückkommen, müssen sie gesund sein. Und sie müssen bereit sein, für dieses Trikot zu brennen.»
Ob er dann noch auf der Bank sitzt? «Ich arbeite weiter. Bis mir jemand sagt, dass Schluss ist. Dann nehme ich meine Tasche, grüße jeden – und gehe.» Kein Appell, kein Tränenbett. Nur die nüchterne Erkenntnis: In Sevilla tickt nicht nur die Uhr. Dort tickt mittlerweile eine Bombe. Und Almeyda hat den Zünder in der Hand.
