Saatci: ultralauf-tortur und mentale grenzgänge
Arda Saatci hat sich den Sieg bei seinem Ultralauf von Death Valley nach Santa Monica nicht nur mit Ausdauer, sondern auch mit einer beispiellosen mentalen Stärke verdient. Im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ schildert der Extremsportler die brutale Vorbereitung, die ihn an seine absolute Belastungsgrenze trieb – und darüber hinaus.

Neun monate des höllentrainings
605 Kilometer durch die sengende Hitze Kaliforniens in weniger als vier Tagen – für die meisten Menschen eine unvorstellbare Tortur. Saatci sah darin jedoch die nächste Herausforderung. Die Vorbereitung allein dauerte neun bis zehn Monate und war alles andere als schonend. „Wir haben das Training langsam angepasst, von Woche zu Woche gesteigert“, erklärt er. Doch es waren nicht nur die Kilometer, die ihn forderten.
Nachtläufe ohne Schlaf, 24-Stunden-Einsätze auf den Beinen, bei denen er sich weder setzen noch ausruhen durfte – das waren nur einige der Übungen, die Saatci durchlief, um seine Beine an die ständige Belastung zu gewöhnen. „Das Ziel war es, die Beine daran zu gewöhnen, sich einfach nicht auszuruhen“, so Saatci.
Um den „Schweinehund“ zu überwinden, griff er zu noch extremen Methoden. Einmal blieb er 24 Stunden wach, um am nächsten Tag völlig erschöpft bis zu 70 Kilometer zu laufen. Er simulierte die mentale Monotonie, indem er „hundert Kilometer immer wieder um einen Häuserblock“ lief. „Es ging darum, stumpf Sachen abzuarbeiten und dieses Denkmuster zu simulieren“, beschreibt er.
Die Hitze, die während des Ultralaufs herrschte, ließ sich in Berlin kaum nachbilden. Daher trainierte Saatci acht Stunden am Stück auf einem Laufband mit sechs Prozent Steigung, ohne Musik und ohne Ablenkung. Dabei trug er drei Pullover und Jogginghosen, um die Hitze zu maximieren. „Ich habe die Heizung aufgedreht und die Fenster alle geschlossen. Ich habe versucht, so viel Hitze wie möglich zu simulieren, und habe mir einen ordentlichen Schweißangriff beschert“, lacht er.
Auch Saunagänge gehörten zum Trainingsprogramm. Doch Saatci wusste auch, wo die Grenzen liegen müssen. „Der Körper kann nur ein gewisses Maß an Adaption leisten, alles darüber hinaus führt nur zum Verschleiß vor dem Ultralauf“, betont er. Die Ernährung spielte ebenfalls eine entscheidende Rolle. „Ob ich will oder nicht, ich muss einfach Zucker zu mir nehmen“, gesteht er.
Nach dem Zieleinlauf offenbarte sich die immense Belastung: „Ich hatte großen Hunger. Ich habe vier bis fünf Kilo verloren über die Zeit“, erinnert sich Saatci. Geschwollene Füße und Schmerzen in Beinen, Hüfte und Knie waren die Folge. Doch die Tortur hat sich gelohnt – Arda Saatci hat bewiesen, dass mentale Stärke und unerbittlicher Wille Berge versetzen können.
