Allegri zieht die notbremse: „wenn wir unseren job machen, kann uns keiner mehr kriegen“
Mailand – Die Meister-Party ist abgeblasen. Nach dem 2:1 im Derby atmete der AC Mailand auf, doch am Tag vor dem Duell mit Lazio Rom dampft Max Allegri die Stimmung lieber sofort wieder ein. „60 Punkte reichen für gar nichts“, sagt er knapp und schiebt die Zielmarke 70 vor. Die Devise lautet: Kein Rückwärtsgang, sonst versickert der Aufschwung im Nichts.
Die Rechnung des 58-Jährigen ist simpel: Noch fünf Siege bis zur Champions-League-Rettung. Dabei will er nicht einmal mehr an das Wort „Scudetto“ verschwenden. „Die Inter liegt sieben Zähler vor uns und hat bislang die beste Mannschaft gestellt“, gibt er unumwunden zu. Statt Gegner zu jagen, soll Milan erst einmal die eigene Schwäche abstellen – jene, die nach großen Erfolgen oft folgt.
Ein bier für shevchenko, ein fragezeichen im mittelfeld
Andriy Shevchenkos Kurzbesuch beim Training diente nicht nur der Nostalgie. „Er bringt vielleicht Glück“, hofft Allegri und lächelt kurz. Im Spielplan ist indes wenig zu lachen: Adrien Rabiot fehlt gesperrt, zwischen Youssouf Fofana (Jashari) und Samuele Ricci schwankt noch die Personalie. „Entscheidend ist die kollektive Antwort, nicht der Name auf dem Formular“, betont der Coach.
Matías Giménez fällt komplett aus, befindet sich aber laut Klub in „guter psychischer Verfassung“. Was genau dahinter steckt, lässt Allegri offen. Klar ist: Ohne Rabiot braucht Milan eine neue Doppel-Sechs-Kombination, die Lazios vertikale Angriffe über Luka Romero und Ciro Immobile früh unterbindet.

Der kalender als gegner
Der Saison-Endspurt ist ein Termin-Marathon. Milan trifft auf Lazio, dann folgen Juventus, Fiorentina und ein Auswärtsspiel in Cagliari – alles Partien, die laut Datenanalysten mindestens 2,2 erwartete Punkte versprechen, wenn die Rothosen ihre xG-Werte halten. Verlieren sie jedoch auch nur zweimal, rutscht die Wahrscheinlichkeit für Rang 4 auf unter 45 Prozent. Die Kurve ist steil, die Spiellogik gnadenlos.
„Wir müssen uns selbst überholen, nicht die anderen“, sagt Allegri und klingt dabei fast schon wie ein Motivationstrainer. Die Spieler hätten sich nach dem Derby zwar das eine oder andere Bier gegönnt, seien aber bereits am Dienstag wieder mit „ruhiger Professionalität“ erschienen. Die Botschaft ist durchgestylt: Erst die 70-Punkte-Marke, dann darf wieder geträumt werden.
Laut InStat erzielt Milan in Spielen nach Europa-League-Abenden 0,4 Tore weniger pro Match und kassiert 25 Prozent mehr Torschüsse aus dem Halbraum. Genau diese Lücke will Allegri mit einer möglichen Dreier- oder Fünfer-Kette kitten. Die taktische Flexibilität ist Programm, die Umsetzung wird am Sonntag gegen Lazio sichtbar.
Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Mantra klingt: „Wenn wir unseren Job machen, kann uns keiner mehr kriegen.“ Ob das reicht, den Nerazzurri wenigstens ein wenig Druck zu machen, entscheidet sich zwischen jetzt und Mai. Die Champions-League-Tickets werden verteilt, und Mailand will unbedingt dabei sein – mit oder ohne Titel-Traum.
