Allegri zieht die bremse: milan will 70 punkte – lazio ist erst der anfang
„Wenn wir unseren Job machen, kann uns hinten keiner mehr kriegen.“ Massimiliano Allegri spricht schnell, leise, fast wie ein Komplott. Der Satz hallt durch Milanello, während draußen der Nebel vom Lago di Varese zieht. Der AC Milan hat 60 Punkte, die Champions-League-Rückkehr liegt fünf Siege entfernt – und der Trainer redet nicht vom Scudetto, sondern von 70 Punkte-Marke als Rettungsanker.
Am Sonntagabend geht’s zur Lazio, in ein Olimpico, das erstmals wieder voll sein wird. 10.000 Rossoneri reisen mit, Sarri hat die Räume zugemauert, seine Gegenpressing-Maschine läuft auf Hochtouren. Allegri kennt das Lied: „Sie schließen die Lücken so schnell, dass du denkst, der Rasen wäre enger geworden.“
Rabiot fehlt – und plötzlich wird das mittelfeld dünn
Ohne den gesperrten Franzosen rückt Jashari oder Ricci ins Zentrum. „Beide können passen, aber keiner ist Adrien“, sagt Allegri und wischt sich die Regentropfen vom Jackett. Die Statistik verrät: Ohne Rabiot verliert Milan 12 % Ballgewinne pro Spiel. „Zahlen sind dazu da, dass man sie widerlegt“, zischt er – und meint Fofana, der viele Vorlagen liefert, aber selbst kaum trifft. „Jetzt will ich seine Tore sehen.“
Christian Pulisic schlittert seit Januar durch ein Tor-Loch: kein Treffer, keine Note im Protokoll. „Ein Angreifer muss verwandeln, klar“, sagt Allegri, „aber gegen Inter hat er die Räume geschnitten wie ein Surfer durch Wellen.“ Leao gleicht mit, Füllkrug und Nkunku stehen bereit. Nur Santi Giménez fehlt – noch. „Er ist psychisch wieder im Boot“, verrät der Coach, „aber morgen schont ihn der Arzt.“

Shevchenko kam vorbei – und die stürmer spürten den schlag
Andriy Shevchenko spazierte gestern durchs Trainingsgelände, umarmte jeden Stürmer einzeln. „Seine Schuhe bringen Glück“, lacht Allegri, „wenn nicht, schicken wir ihn morgen wieder nach Kiew.“ Der ukrainische Mythos lebt – und mit ihm der Glaube, dass Lazio mehr ist als nur ein Zwischenstopp.
Während die Koffer gepackt werden, schaut die Kurve nach Mailand: Inter spielt schon am Nachmittag gegen Atalanta. Sieben Punkte Vorsprung, ein Sieg würde die Lücke auf zehn erhöhen. Allegri zuckt mit den Schultern: „Wir müssen unser eigenes Rennen fahren, sonst fahren wir gegen April noch Schneeketten.“
ChampionsLeague? „Ein Ziel, kein Muss“, sagt er und blickt in die Kameras. Dann kommt der Satz, der in den Katakomben von Milanello nachhallen wird: „Wer 70 Punkte hat, fährt nicht mehr vom Highway runter.“ Die Rechnung ist simpel: fünf Siege, vielleicht sechs, und das Rössli reitet wieder in die Königsklasse. Erstes Hindernis: Lazio, das Olimpico, 90 Minuten am Limit. Für Milan beginnt morgen nicht die Jagd auf Inter – sondern die Jagd auf sich selbst.
