Allegri wechselt kaum: milan bangt um die frische
110 Wechsel in 28 Spielen – kein Serie-A-Klub rotiert weniger als der AC Milan. In der Champions-League-Rangliste steht der Klub nur auf Platz 16, hinter Lyon (89), hinter Nottingham, das in der Premier League gegen den Abstieg kämpft. Die Zahl lautet: sieben Feldspieler sitzen dem Coach durchschnittlich in der Liga zur Verfügung, zwei davon sind Keeper. Für Jubel sorgte Max Allegri zuletzt nur, als er gegen Como im Januar erstmals zwölf Profis auf der Bank hatte – Rekord, Saisonhöhepunkt, Armutszeugnis.
Verletzungswelle oder vertrauenskultur?
Die Verletztenliste zwischen Oktober und November war lang, das ist korrekt. Doch selbst als die medizinische Abteilung wieder Luft machte, änderte sich wenig. Nkunku, für 40 Millionen Euro gekauft, durfte im Derby gegen Inter nach 85 Minuten ran. Jashari, 35 Millionen Euro teuer, trug stattdessen die gelbe Trainingsweste. Füllkrugs Siegtreffer gegen Lecce Mitte Januar war die letzte Einwechslung, die ein Spiel drehte. Die These vom „ungeplanten Personalnotstand“ hält nur bis zur Gegenrechnung: Paris Saint-Germain, Manchester City, Real Madrid – alle haben in dieser Saison tiefere Bänke, wechseln aber kaum öfter.
Der Unterschied: Luis Enrique, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti glauben an Rotation als Dauertool. Allegri glaubt an seine Stammelf. Wer einmal lief, läuft bis zur 80. Minute – außer, das Beispringen ist medizinisch erzwungen. Das System funktionierte in der Juve-Ära, weil Douglas Costa und Co. von der Bank das Tempo nochmal anzogen. Heute fehlt dieser Spielmacher vom Rand. Stattdessen schickt er Jungprofis oder U-23-Akteure warm, die eigentlich für Milan Futuro spielen sollten.

Conte setzt, allegri schont – die serie a spielt weiter
Während Napoli trotz dünnerer Personaldecke 122 Wechsel vornimmt und Antonio Conte Vergara, Mazzocchi und Ambrosino frisch einbaut, schaut Allegri zu. 137 Wechsel hat Inter absolviert, 135 Juventus, 129 die Roma. Bologna führt mit 139. Die Botschaft: Wer früh wechselt, verhindert späte Ermüdung. Wer spart, riskiert den Knick in der Schlussphase. Milan kassierte in den letzten zehn Minuten bereits fünf Gegentore, die direkt Punkte kosteten – mehr als jeder andere Top-6-Klub.
Die Champions-League-Qualifikation ist so gut wie sicher, doch im Königsklassen-Modus gilt: jedes Prozent Frische zählt. Ohne Bank-Turbine droht das gleiche Szenario wie 2023: Vorrunde, dann K.o., weil die Beine nicht mehr gehorchen. Allegri betont, „eine bestimmte Art von Kader“ nötig zu haben. Die Frage ist, ob er dann auch bereit ist, diesen Kader zu nutzen. Sonst bleibt Milan das Team, das den Ballbesitz verpennt und die Wechsel verschenkt – und die Konkurrenz läuft davon.
