Aleksandar stankovic spielt brügge in den wahnsinn – und inter wartet bereits

Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt. Ein Serbe mit Wiener Seele läuft in Belgien Amok. Aleksandar Stankovic, 20, ist kein Nebenbei-Talent mehr, sondern der Dreh- und Angelpunkt von Club Brügge. Drei Tore, fünf Vorlagen in den letzten sieben Partien – Zahlen, die selbst seine Vaterstadt Zagreb aufhorchen lassen. Und im Hintergrund tickt die Uhr der Inter Mailand.

Vom sohn zum rivalen der legende

Dejan Stankovic schoss einst für Lazio und Inter aus 35 Metern ein. Sein Sohn Alek spielt jetzt 30 Meter vor dem eigenen Tor – und macht dort genauso wenig Gefangene. Die Parallelen sind irre: Dejan war mit 20 bereits WM-Teilnehmer mit Jugoslawien, Alek bereitet sich auf die Europameisterschaft vor, sollte Serbien sich qualifizieren. Nur die Rolle hat sich gewandelt. Wo der Vater als Zehn oder Strafraum-Monster glänzte, operiert der Sohn als hybrides Kraftpaket zwischen Sechser und Achter. Ein Barella mit Calhanoglu-Technik, sagen Scouting-Berichte. Das klingt nach Marketing-Gag, ist aber taktische Realität im Jan-Breydel-Stadion.

Brügge zahlt 200.000 Euro Leihgebühr, Inter behält sich ein Rückkaufmodell für 3,5 Millionen vor. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Market-Beobachter bei einem EM-Start mittlerweile von 18 Millionen Marktwert sprechen. Die Belgier wollen ihn fest verpflichten, doch die Nerazzurri haben einen Plan: Rückholung, Gehalt verdoppeln, dann entweder ins neue Stadion einführen oder sofort mit Gewinn weiterverkaufen. Denn im Milaner Mittelfeld herrscht bald Logjam: Asllani, Frattesi, Calhanoglu, Barella – und jetzt auch noch der „kleine Stanki“.

Belgien als schleuder in die große liga

Belgien als schleuder in die große liga

Was niemand erzählt: Club Brügge ist kein Zufluchtsort, sondern ein perfektes Labor. Trainer Ronny Deila verlangt pressingintensives 4-3-3, verlangt Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Stankovic führt die Statistik „Zwischenliniensprints“ mit 9,3 pro 90 Minuten an – mehr als jeder andere Sechser in den Top-5-Ligen. Seine Zweikampfquote liegt bei 58 %, passt dazu 87 % seiner Pässe, davon 43 % nach vorne. Das ist keine Spielverlagerung, das ist Kontrolle nach Belagerungsart.

Scouts von Atletico Madrid und Borussia Dortmund sitzen bereits in der Tribune, notieren sich die Positionsnummern. Die Rede ist vom „serbischen Gündogan mit Kante“. Nur Gündogan war mit 20 noch in der zweiten Bundesliga unterwegs. Stankovic spielt Champions-League-Achtelfinale gegen Benfica und trifft per Drop-Kick zum 2:1. Die Kurve skandiert „A-lek, A-lek“, und im VIP-Raum lächelt Giuseppe Marotta zwischen zwei Handydurchsagen.

Die Inter-Fans fragen sich, ob Simone Inzaghi bereit ist, einem 20-Jährigen den nötigen Raum zu geben. Die Antwort lautet: Ja, aber nur unter zwei Bedingungen. Erstens muss Stankovic die Körperarbeit auf Serie-A-Niveau adaptieren – er wiegt 78 Kilo bei 1,84 m, muss aber auf 82 Kilo Masse kommen, ohne die Wendigkeit zu verlieren. Zweitens muss er lernen, in einem 3-5-2 die halbraumliche Schaltzentrale zu bedienen, also zwischen den Linien zu empfangen und sofort zu entscheiden: Doppelpass mit Lautaro oder Diagonalball auf Dimarco. Genau diese Varianten trainiert er aktuell in Brügge nach Schulschluss, denn die Leihe läuft am 30. Juni aus.

Warum der transfer kein projekt, sondern eine pflicht ist

Warum der transfer kein projekt, sondern eine pflicht ist

Inter kassierte im Sommer 85 Millionen durch den Verkauf von Onana und Brozovic. Die Mittelfeldzukunft soll jung, dynamisch und kostengünstig sein. Stankovic passt ins Profil wie der Handschuh in den Strafraum. Seine Marktwert-Explosion allein spült 15 Millionen Gewinn in die Kasse, sollte er direkt weiterverkauft werden. Doch das Plan-Szenario sieht anders aus: Ein Jahr Erfahrung als Backup, dann Schlüsselspieler im neuen Meisterkader. Die Alternative wäre ein Leihgeschäft an einen Champions-League-Klub mit Kaufoption – doch das Risiko, ihn zu verlieren, wäre größer als das Potential, ihn zu behalten.

Die Zahme Variante: Stankovic bleibt in Mailand, lernt von Barella, konkurriert mit Frattesi. Die Wilde: Er geht zurück nach Brügge, spielt sich mit EM-Elf ins Rampenlicht, kostet 2025 plötzlich 40 Millionen. Marotta hasst Risiken – deshalb wird er die Rückholung wohl ziehen, bevor ein anderer zuschlägt. Denn wer einen serbischen Nationalspieler mit 20 schon in den eigenen Reihen hatte und ihn wieder abgibt, der darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann in der gegnerischen Katakche steht und das entscheidende 3:2 schießt.

Die Uhr tickt. Stankovic träumt. Und Inter weiß: Wenn sie ihn jetzt nicht packen, kostet er bald drei Brozovic-Verkäufe. Bei 3,5 Millionen Rückkaufoption ist das kein Transfer, das ist ein Bankraub – nur dass diesmal die Bank aus schwarz-blauem Stoff kommt und am Ende alle gewinnen, außer die Konkurrenz.