Alcaraz stolpert erneut: nach korda-pleite in miami fragt sich die tenniswelt, was mit dem ausnahmetalent los ist
Carlos Alcaraz verliert in Miami gegen Sebastian Korda, obwohl er zurücklag und aufholte. Die Niederlage wirft Fragen auf: Ist der 22-jährige Spanier nach seinem Australian-Open-Triumph mental erschöpft?
Die pleite kam nach der aufholjagd – und das ist das problem
Alcaraz lag im dritten Satz zurück, kämpfte sich heran, hatte Breakball – und kassierte dann doch das Aus. Genau das ist es, was Beobachter wie Paolo Bertolucci stutzen lässt: „In 99 % der Fälle packt die Weltnummer eins hier den Sack zu. Diesmal ging der Underdog als Sieger vom Platz.“
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit seinem Titel in Melbourne hat Alcaraz nur noch zwei Matches auf der Tour gewonnen. Indian Wells und Miami – beide Turniere, in denen er zuletzt glänzte – endeten vorzeitig. Die Schwächephase trifft mitten in der Saison, in der er eigentlich dominieren sollte.

Korda spielt das match seines lebens – und alcaraz reagiert mit nervosität
Der Amerikaner servierte auf Traum-Niveau, schlug 13 Asse und gewann 83 % der Punkte nach dem ersten Aufschlag. Alcaraz hingen die Schultern, als er merkte, dass Korda nicht nachließ. „Er spielte wie aus einem anderen Film“, sagte der Spanier nach dem Match. „Ich habe gespürt, dass er alles traf. Und ich habe gezittert.“
Das ist ungewöhnlich für einen Spieler, der sonst mit unerschütterlicher Mentalität glänzt. Doch genau diese Schwäche offenbarte sich in den entscheidenden Momenten. Bei 4:4 im dritten Satz schlug Alcaraz einen unerklärlichen Lob, den Korda mit einem Smash versenkte. Der Punkt des Turniers – und vielleicht der Moment, in dem der Spanier innerlich kapitulierte.

Die erklärung ist einfach, aber bitter: er braucht pause
Bertolucci fordert: „Er muss weg von den Kameras, weg vom Druck.“ Die Saison ist jung, doch der Kalender kennt kein Pardon. Monte Carlo, Madrid, Rom, Paris – die Clay-Saison beginnt sofort. Alcaraz muss nun entscheiden, ob er mit dem Rücken zur Wand weitermacht oder sich bewusst zurückzieht.
Vergleiche mit Nadal oder Djokovic greifen zu kurz. Der Serbe und der Mallorquiner haben ihre Tiefen anders verkraftet – mit einer mentalen Robustheit, die selten ist. Alcaraz ist 22, talentiert, aber noch nicht geformt. Die Frage ist nicht, ob er zurückkommt, sondern wann – und ob er dabei lernt, dass auch ein Ausnahmetalent mal Luft holen muss.
Die Tenniswelt wartet. Und Alcaraz hat jetzt die Chance, zu zeigen, dass er nicht nur gewinnen kann – sondern auch fallen und wieder aufstehen.
