Alba wackelt in griechenland: kayil verletzt, sieg rettet gruppentraum

Karditsa – Mit einem blutenden Knöchel und zitternden Nerven hat Alba Berlin das kleine Final am Mittwoch erst einmal aufrecht erhalten. 76:71 beim Schlusslicht Karditsa Iaponiki war nicht mehr als eine Notoperation, ausgeführt von Sam Griesel und einem aufopfernden J'wan Roberts. Der Gruppensieg gegen AEK Athen bleibt machbar, aber die Preisfrage lautet: Läuft Jack Kayil dann wieder?

Die Antwort steht auf Messers Schneide. Minute 25, Spielstand 44:42, Kayil führt den Fastbreak, bleibt an der griechischen Zone hängen – Knack. Der 20-jährige Nationalspieler knickt um, sein Gesicht eine Grimasse, sein linker Fuß zeigt nach innen. Ohne ihn verflüchtigt sich Albas Rhythmus wie Wasser auf heißem Asphalt.

Bildregie liefert trash-tv statt live-action

Was parallel abläuft, ist fast noch peinlicher. Die griechische Produktion liefert Wiederholungen, während das Spiel weiterläuft. Dyn-Kommentator Chris Schmidt brennt durch: „Das Spiel läuft wieder, liebe griechische Regie.“ Später, als die Bilder endlich zurückkommen, fragt er sich trocken: „Waren die mit dem Wurstfinger auf dem Schalthebel?“ Die Pointe: Die technische Leitung sitzt in Athen – und wird am Mittwoch genau dort erneut die Fäden ziehen.

Ohne Kayil geht gar nichts mehr. Karditsa dreht das dritte Viertel auf 58:54, die Berliner wirken wie nach einem 12-Stunden-Flug mit Zwischenlandung auf dem Mond. Doch Griesel schnappt sich den Ball, versenkt fünf Punkte in 67 Sekunden – 59:58. Kayil kehrt zurück, humpelnd, aber winkend. Mit ihm kommt die Ordnung, mit ihm der Vorsprung: 70:61 innerhalb von zwei Minuten.

Letzte sekunde: roberts trifft, griesel killt

Letzte sekunde: roberts trifft, griesel killt

Die Griechen kommen noch einmal heran, 71:72, 46 Sekunden bleiben. Roberts nimmt den Ball, atmet durch, trifft beide Freiwürfe – 74:71. Karditsas letzter Versuch endet im Nachschlag, Griesel sprintet den gesamten Court, legt den Ball locker ein: 76:71, Endstand. Berlin jubelt, aber es klingt wie ein Seufzer der Erleichterung.

Die Zahlen: Griesel 12 Punkte, Kayil 7 plus 7 Assists trotz nur 23 Minuten Einsatzzeit. Damit steht Alba bei 4:1 Punkten, ein Sieg gegen AEK reicht für Platz eins. Doch der echte Score heißt: MRT-Auswertung Kayil. Ohne ihn ist das Endspiel ein Kobayashi-Maru-Szenario – ein unlösbares Problem, wenn der Knöchel nicht mitspielt.