Alba verspielt heimrecht und bekommt jetzt den nächsten schlag

88:93 nach Verlängerung gegen AEK Athen – und mit einem Mal ist der Traum vom Viertelfinal-Coup nur noch halb so groß. Alba Berlin verlor am Dienstag nicht nur das Spiel, sondern kippte mit dem zweiten Platz in Gruppe E die gesamte Play-off-Bilanz. Kein Heimrecht im entscheidenden dritten Spiel, dafür Gegner wie Unicaja Málaga oder Rytas Vilnius. Die Auslosung am Freitagmittag wird zur Zitterpartie.

Ein satz, der alles verändert

„In einem Game-3 wäre uns die O2-Arena vermutlich drei, vier Punkte wert gewesen“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda noch in der verlassenen Kabine. Stattdessen muss Alba am 9. oder 10. April in fremder Halle auftreten – und das mit einem Kader, dessen Durchschnittsalter bei 23,4 Jahren liegt. Die Hypothek: Nicht einfach nur gewinnen, sondern mit neun Punkten Differenz, war selbst für erfahrene Routiniere ein Kraftakt. Die Jungs um Jonas Mattisseck lieferten sich dennoch ein Schauspiel, das Ojeda als „Reaktion auf das Wochenende“ lobt – Anspielung auf die 21-Punkte-Klatsche in Weißenfels.

Die Zahlen sind gnadenhaft: Alba traf 11 seiner 31 Dreier, kassierte 19 Ballverluste und verpasste es, den Griechen das Tempo zu nehmen. Mattisseck selbst war mit 18 Punkten bester Werfer, aber auch er verlor in der Verlängerung den Ball zweimal in Folge. „Wir haben alles gegeben, aber gegeben ist nicht immer genug“, sagte der Kapitän mit einem Lächeln, das mehr Mühe kostete, als es zuließ.

Spanische roulette

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Am Freitag um 12 Uhr zieht die Champions-League-Funktionäre die Kugel. Málaga hat die beste Bilanz aller Gruppensieger (10-2), Teneriffa schießt mit 88,7 Punkten pro Spiel am effizientesten. Rytas Vilnius wiederum bringt mit dem 2,08-m-Center Marek Blaževič eine Waffe ins Spiel, gegen die Albas Center Trevion Williams sieben Zentimeter kleiner wirkt. „Wir bekommen kein Los, wir bekommen eine Prüfung“, sagte Ojeda und wischte sich dabei fast schon resigniert die Stirn.

Der Vorteil: Alba reist ohne Erwartungsdruck. „Die anderen müssen vor heimischer Kulisse liefern, wir dürfen frei aufspielen“, sagte Mattisseck. Ob das reicht, um Play-off-Rookies wie Louis Olinde oder Elias Rapieque in ein Hochdruck-Game zu schicken, wird sich zeigen. Erste Antwort gibt es am Freitagabend (20 Uhr) gegen die Rostock Seawolves – ein Spiel, das plötzlich wie ein Testlauf für größere Wellen wirkt.

Die Saison ist nicht vorbei, aber die Wolken über Berlin sind dunkler geworden. Ohne Heimrecht, dafür mit dem Selbstbewusstsein, bereits jetzt über sich hinausgewachsen zu sein. Die Frage ist nur: Reicht das, wenn man in Málaga bei 100 Dezibel Anfeuerung steht? Die Antwort kommt Anfang April – und sie wird laut.