Alba kommt zurück: jack kayil trägt berlin ins halbfinale
Die Schlinge saß. Die Arena bebte. 8.867 Menschen in Blau-Weiß brüllten sich die Seele aus dem Leib. Am Ende war es Jack Kayil – gerade 20, NBA-Gerüchte im Gepäck – der Alba Berlin mit 20 Punkten aus der eigenen Halskrause zerrte und ins Halbfinale der easyCredit BBL katapultierte. 98:89 gegen Rasta Vechta – und die Serie ist 3:2.
Rückstand 1:2, stimmung im keller – und dann kam der fünfte
Pedro Calles hatte nach dem Sonntagssieg in Vechta gesagt, sein Team müsse „Vertrauen“ zeigen. Was folgte, war eine knappe Dreiviertelstunde, in der Alba kein einziges Mal in Rückstand geriet. Nach dem 9:9 zerlegten die Berliner mit einem 14:0-Lauf die Niedersachsen, rissen alle Zweikämpfe, jagten jeden verloren geglaubten Ball. Martin Hermannsson schraubte sich mit 19 Punkten durch die Defense wie ein Geysir, Christ Koumadje schlug 14 Punkte plus 9 Rebounds auf die Anzeigentafel.
Rasta stemmte sich dagegen, klar. Alonso Verge jagte 19 Punkte, T.J. Shorts fischte 7 Assists, doch jedes Mal, wenn Vechta auf drei, vier gelang, antwortete Berlin sofort. Kayil mit dem Dreier, Louis Olinde mit dem Block. Es war, als hätte Alba die Fernbedienung in der Hand und drücke bei jedem Lauf der Gäste einfach „Stumm“.

Johannes thiemann schaute zu – und sah den neuen alba
Am Rand stand Weltmeister Johannes Thiemann, 2021 noch selbst in Blau-Weiß unterwegs. Die 2021er-Meister-Maschine war damals eine andere: laut, routiniert, mit Luke Sikma und Marcus Eriksson. Dieser Kader ist jünger, rabiater, aber nicht weniger hungrig. „Die Jungs haben Herz statt Angst gespielt“, sagte Calles später leise in die Kameras.
Die Zahlen lügen nicht: 50 Punkte in der ersten Halbzeit, 58 % Feldwurfquote, nur 9 Ballverluste. Und das, obwohl Vechta die zweitbeste Offense der Hauptrunde war. Das Aus in Runde eins – zweites Jahr in Folge – trifft die Niedersachsen hart. Trainer Thomas Päch schüttelte nur den Kopf: „Wir haben alles gegeben, aber Alba war heute eine Macht.“

Nächster halt bamberg – und die titelträume werden laut
Ab Samstag trifft Alba auf Bamberg Baskets. Die Franken haben im Viertelfinal-Sweep gegen Ulm überzeugt und sind der letzte Playoff-Gewinner vor der Berliner Durststrecke. Die Fans wissen: Der Weg zur Meisterschaft führt durch Bamberg, dann wahrscheinlich über Bayern oder Oldenburg. Aber heute Abend interessiert das niemanden. In der Kabine lief Herbert Grönemeyer aus den Boxen, die Spieler tanzten mit den Fans, und Kayil hielt die Mikrofone wie Trophäen.
Die letzte Meisterschaft liegt drei Jahre zurück. Für Berlin ist das eine Ewigkeit. Für Jack Kayil ist es erst der Anfang. Und für 8.867 Menschen in der Mercedes-Benz Arena war es der beste Mittwoch seit langem.
