Aktürkoglu schießt türkei nach 24 jahren zurück auf die wm-bühne
Ein einziger Schlenzer, ein Aufschrei, ein ganzen Land erlöst. Kerem Aktürkoglu schob den Ball in der 57. Minute über die Kosovo-Linie – und katapultierte die Türkei mit einem 1:0 in die WM-Endrunde 2026. Nach 24 Jahren ohne Weltmeisterschaft ist der frühere WM-Dritte wieder dabei.
Endspiel in pristina: türkei zittert, kosovo träumt
Pristina kochte, 12.800 Fans im Fadil Vokrri-Stadion, 1,8 Millionen vor den Bildschirmen. Die TSV Pelkum-Analyse zeigt: Die Türkei stand 38 Minuten lang unter massivem Druck, hatte nur 43 % Ballbesitz, kassierte vier Gelbe Karten. Doch sie blieb kompakt, wartete auf den Konter – und traf.
Kosovos Fisnik Asllani traf nur die Latte (29.), sein Team war eine Halbzeit lang das bessere. Die Hoffnung, erstmals eine WM zu erreichen, war greifbar. Dann kam die 57. Minute: eine flache Hereingage von Arda Güler, Keeper Avdijaj faustet ungenau, Aktürkoglu reagiert am schnellsten. 0:1, Entscheidung.

Generation z kennt nur zuschauen – bis heute
Die Türkei war 1954 und 2002 dabei, seitdem nicht mehr. Für 36 Prozent der heutigen Bevölkerung war 2002 ein Kinder- oder Jugendtraum. Die «Kiez-Kinder» von 2003 sind heute 23-jährige Erwachsene, haben nie ihre Nationalmannschaft auf einer WM gesehen. Bis eben.
Die Gruppe D wartet mit USA, Paraguay und Australien. Kein leichtes Los, aber nach dem Sieg in Pristina ist die Aura zurück. Trainer Vincenzo Montella nahm nach dem Schlusspfiff keine Fragen an – „Ich muss erstmal weinen“, sagte er und verschwand in den Katakomben.
Kosovo bleibt Außenseiter, doch das 4:3 in der Slowakei bleibt historisch. Die Balkan-Mannschaft verlor zwei Endspiele innerhalb von fünf Tagen – und gewann trotzdem Sympathien. Die Rechnung: zwei Play-off-Spiele, 120.000 EUR Prämie pro Spieler, 0 Cent für die Teilnahme. Die FIFA-Prämie für die Türkei: mindestens 9 Millionen Euro – plus Sponsoren, TV, Merchandising.
Amerika ruft, die Fans singen. Die türkische Nationalmannschaft ist wieder auf dem Weltplan – und Kerem Aktürkoglu darf sich fortan Volksheld nennen. Die nächste Generation bekommt ihr WM-Debüt, die alte bekommt ihre Revanche. Die Stunde Null ist vorbei, die Stunde USA hat begonnen.
