Aicher rutscht aus – und verliert die contenance im tv
66 Hundertstel im vierten Sektor, 1,06 Sekunden am Ende, Platz zwölf: Emma Aicher rutschte in der zweiten Abfahrt von Val di Fassa buchstäblich aus der Spur – und anschließend aus der Fassung. Die 22-Jährige reagierte im ZDF-Interview sichtbar irritiert auf die Feststellung, sie sei „wieder ausgerutscht“. Ihre Antwort: „Pff, ja wenn du das sagst.“

Die kurve, die es gestern nicht gab
Stiefvatter zog Parallelen zum Freitag, Aicher widersprach sofort: „Hatte ich gestern da Probleme?“ Tatsache: Am Vortag fuhr sie mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand auf Laura Pirovano auf Platz zwei, im vierten Sektor gar die sechstbeste Zeit. Die Probleme, die der Reporterin auffielen, existierten in dieser Form schlicht nicht. Die Szene entlarvt ein Dilemma: Skifahren ist millisekundenschnell, TV-Analyse oft vorschnell.
Die Konsequenz aus dem Fehler ist hart. Aicher verliert 28 Punkte auf Pirovano in der Abfahrtswertung, muss nun in Lillehammer am 21. März als Jägerin angreifen. „Es ist nicht zu Ende, bis alle Rennen gefahren sind“, sagt sie – und klingt dabei nicht wie eine Athletin, die sich mit dem zweiten Platz zufriedengibt. Der Blick geht nach vorn, nicht auf die Kristallkugel.
Die Saison bleibt trotzdem ihre beste. Sie hat gewonnen, wurde zweite, dritte – und jetzt eben zwölfte. Das ist kein Drama, sondern die Realität eines Sports, in dem Schnee, Kanten und Wind selbst Olympiasiegerinnen mal auf die Bretter schicken. Aicher wird zurückkommen, schneller, wütender, klüger. Die nächste Abfahrt ist nur zwei Wochen entfernt – und die Strecke in Lillehammer kennt sie auswendig.
