Aicher jagt shiffrin: 0,01 sekunden trennen sie vom gesamtsieg
Emma Aicher tritt einmal mehr auf die Bremse, doch die Gegnerin heißt diesmal nicht Mikaela Shiffrin – sie heißt Laura Pirovano, und sie war in Val di Fassa eine einzige Hundertstel schneller. 0,01 Sekunden. Das ist weniger als ein Herzschlag, aber genug, um die 22-Jährige vorerst auf Rang zwei zu verweisen. Die Konsequenz: Aicher rückt in der Abfahrtswertung auf 14 Punkte heran – und Shiffrin plötzlich in Reichweite.
Die kugel rollt in richtung deutschland
Zwei Rennen vor Saisonende liegt die Olympia-Zweite nur noch 14 Zähler hinter der verletzten Lindsey Vonn, die nach ihrem Crash in Peking weiterhin pausiert. Dahinter folgt mit Kira Weidle-Winkelmann (+80 Punkte) eine weitere Deutsche – ein Novum, das die Speed-Abteilung des DSV seit der Vonn-Ära nicht gesehen hat. Aicher selbst kommentiert nüchtern: „Ich will die Kugel, nicht die Ausrede.“
Doch es bleibt nicht bei der kleinen Kristallkugel. Im Gesamtweltcup hat Aicher Shiffrin auf 139 Punkte distanziert – und das, obwohl die US-Ikone in Val di Fassa fehlt. Fehlt auch in den beiden restlichen Abfahrten und im Super-G. Rechnet man die Streichresultate, könnte Aicher kommenden Samstag (10.45 Uhr, ZDF/Eurosport) erstmals seit Maria Höfl-Riesch 2012 wieder eine Deutsche an der Spitze des Gesamtklassements stehen. Die Voraussetzung: ein Podestplatz im zweiten Downhill. Die Wahrscheinlichkeit: laut Formkurve bei 71 Prozent.

Technik war nie ihr schlafmittel
Wer Aicher nur als Downhill-Löwin kennt, verpasst die Hälfte der Story. Im Super-G von Soldeu holte sie bereits Gold, und in Slalom sowie Riesenslalom schwimmt sie längst in der Weltspitze. Shiffrin muss nun in vier technischen Rennen punkten – Aicher nur noch mitlaufen. „Ich muss nicht gewinnen, ich muss nur nicht kappen“, sagt sie. Das klingt nach Understatement, ist aber Taktik.
25 Tage nach Vonn’s Horror-Crash trainiert die US-Legende bereits wieder – doch ihr Comeback rückt in weite Ferne. Aicher hingegen baut keine Pause ein. Sie fliegt direkt nach Norwegen, wo am 26. März in Lillehammer das Finale steigt. Dort wird nicht nur die kleine, sondern auch die große Kugel vergeben. Und dort könnte sich eine Frage beantworten, die seit 2014 durch die Skiwelt geistert: Wer wird Shiffrins erste wirkliche Herausforderin? Die Antwort trägt Startnummer 15 und kommt aus dem sauerländischen Pelkum.
