Adhs neu gedacht: kein defekt, sondern ein anderes gehirn

Jahrzehntelang wurde ADHS als Disziplinproblem abgestempelt. Als Versagen der Selbstkontrolle, als Schwäche. Jetzt räumen die Neurowissenschaften mit diesem Bild auf – und eine neue Studie im renommierten Fachmagazin The Lancet liefert dazu erschreckende Zahlen: In mindestens fünf Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien und Spanien, wird ADHS systematisch unterdiagnostiziert. Viele Betroffene landen stattdessen jahrelang in Therapien gegen Angststörungen oder Depressionen – weil niemand erkannt hat, was wirklich hinter ihren Symptomen steckt.

Ein gehirn, das anders rechnet – nicht falsch

Ein gehirn, das anders rechnet – nicht falsch

Der Neurowissenschaftler Miguel Toribio-Mateas bringt es in seinem neuen Buch Cuerpo y mente. ADHS auf den Punkt: ADHS ist keine Krankheit. Es ist eine andere biochemische Realität. Toribio-Mateas weiß, wovon er spricht – er selbst wurde erst mit rund 40 Jahren mit ADHS und Autismus diagnostiziert, nachdem er Jahrzehnte damit verbracht hatte, sich in einer Welt zurechtzufinden, die schlicht nicht für sein Gehirn gebaut war. „ADHS ist eine Erfahrung, die Körper und Geist umfasst. Es geht nicht darum, krank zu sein